Pfandregime

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Wir wollen beileibe nicht jammern: Aber das Pfandsystem stellt uns immer wieder vor Aufgaben, die einigermaßen viel Energie kosten. Das liegt schlicht an der Vielfalt der Flaschenformen, in die das Bier abgefüllt wird. Vielfalt finden wir grundsätzlich gut, aber in diesem Falle? Nein, keine Sorge. Wir wollen nicht der ultimativen Standardisierung das Wort reden. Eine schöne und einzigartige Flasche ist Teil des Biergenusses. Deshalb reichen wir die Falsche immer mit über die Theke. Und was wäre das Orval ohne diese schöne 0,33 l. Kegelflasche? So ist dieses Bier von der Falsche bis zum Inhalt ein echtes Unikat.

Man kann ruhig annehmen, dass der Kapitalismus zur Rationalisierung drängt und diese prinzipiell mit Standardisierung einhergeht. Bereits das Transportwesen wünscht standardisierte Packmaße, um die Flächen voll ausschöpfen zu können. Und tatsächlich: Jeder vermeidbarer Hohlraum drückt nicht nur die Profitmaximierung, sondern schont auch Ressourcen. Dennoch: Wir finden die Flaschenvielfalt so gut, wie die Vielfalt der Gläser in belgischen Kneipen.

Die Flasche ist eine Designfrage, aber auch eine Frage des Trinkflows. Nehmen wir mal das TAP 5. Dieses Bier ist eines der besten Biere überhaupt, geht aber in der Gärbar nur mäßig gut über die Theke. Am Inhalt kann es nicht liegen, am Publikum auch nicht. 😉 Wir sind fest davon überzeugt, dass das TAP 5 in einer schicken 0,33l. Longneck-Flasche gehen würde wie geschnitten Brot. Aber höchstwahrscheinlich kann das die Abfüllanlage von Schneider nicht oder die Bayern haben keinen Bock auf kleine Portionen. Der Zusammenhang von Trinkflow und Flasche sollte nicht unterschätzt werden. Immerhin scheint die Einführung der Bügelflasche (wiederverschließbar, irgendwie retro) in den 90er Jahren, der Fiege Brauerei den Arsch gerettet zu haben. Unterm Strich: Wir wollen keine Flascheneinfalt, weil Flaschenvielfalt und Biervielfalt unmittelbar einhergehen.

Dennoch nerven uns die Nebenwirkungen der Vielfalt. Das führt nämlich dazu, dass das Pfandmanagement der Gärbar eine Angelegenheit für SpezialistInnen ist. Manche Flasche aus dem Gärbar-Keller muss nach Belgien, Holland oder „nur“ an den Niederrhein gefahren werden, um abgegeben werden zu können. Dann gibt es Getränkehändler, die recht großzügig mit der Flaschenannahme sind, aber sich bei den Rahmen anstellen. Die Ritterguts-Gose zum Beispiel kann man in der Nähe nirgends kaufen. Was sollen wir mit den Rahmen machen? Blumentopfhalter basteln? Wir finden, es ist die Aufgabe des Handels, es zu übernehmen, dass jede Falsche und jeder Rahmen überall abgegeben werden kann. Denn nur so funktioniert ein Pfandsystem. Am besten europaweit.

Das klingt irgendwie nach einer irrationalen Forderung? So als könne man das nicht erwarten? Höchstwahrscheinlich ist das auch so. Höchstwahrscheinlich passt Vielfalt und Kapitalismus nicht so recht zusammen. Ein Grund mehr ihn abzuschaffen.

Gärbar in Belgien

Die Gärbar-Crew und ein paar FreundInnen waren mal wieder im schönen Belgien – natürlich auch um Bier zu kaufen. Mittlerweile hat die Frühlingsfahrt Tradition: Das Herver Land ist so eine Art Geburtsstätte für die Gärbar. Damals war belgisches Bier noch der ganz heiße Scheiß und höchstens bei Manufaktum zu bekommen. Wir hatten damals ebenfalls in Aubel bei Stassen Bier gekauft und mit hübsch formulierten Texten unseren FreundInnen auf Geburtstagspartys kredenzt. Die Gärbar fühlt sich tatsächlich so ähnlich an, wenn es nicht zu voll ist.

Diesmal haben wir ein Experiment gewagt: Wir waren bei Colruyt, um ein paar Standardbiere zu besorgen und vor allem das Val Dieu Bier recht günstig einzukaufen. Im Auto meinte wer, dass dieser Laden das Aldi-Prinzip auf die Spitze treibe. Einhellige Meinung: Die Einschätzung war maßlos untertrieben. Wo gespart werden kann, wird bei Colruyt gespart, zum Beispiel hat die Tiefkühle keine Fester. Die Produkte sind auf die Türen geklebt.

Die Foto-Impressionen beginnen in Aubel, zeigen dann das Kloster und geben ein paar Eindrücke von der ebenso traditionellen Wanderung durch die schöne Heckenlandschaft – Bierprobe inklusive.

 

Willkommen im Gärspace

Bereits im letzten Editorial haben wir den Graswurzelgedanken angesprochen: Die Gärbar ist kein kommerzieller Schankbetrieb, sondern der Abend wird erst durch das gesamte Setting spannend. Er lebt vor allem durch seine Gäste. Um dem Graswurzelgedanken noch mehr Raum zu geben, haben wir den Gärspace eingerichtet. Der Gärspace ist eine kleine Ecke im SZ am Abend der Gärbar, in der Du deine Gärprodukte anbieten und/oder mit anderen Leuten ins Gespräch über Gärung kommen kannst. Hier können Erfahrungen rund um das Thema Fermentation weitergeben und ausgetauscht werden. Wir denken, dass dieses Wissen zum Beispiel auch für Foodsharing-Projekte spannend sein kann, weil durch die Gärung Lebensmittel haltbar gemacht werden und so weniger Lebensmittel weggeworfen werden müssen. Außerdem: Wer gärt, stellt oft größere Mengen her, weil es sich sonst nicht so recht lohnt. Überschüsse könnt Ihr im Gärspace verschenken oder tauschen.

Have a lot of fun in the gärspace!

Prost

Eure Gärbar-Crew

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Eine Hommage an die Bierkultur von unten

Nicht alle, die zum ersten Mal in die Gärbar kommen, wissen, dass wir gar keine kommerzielle Kneipe sind. Die Leute, die hinter der Theke stehen, betreiben das als Hobby. Wir sind gerne GastgeberInnen und freuen uns, wenn sich unsere Gäste freuen. Noch schöner finden wir es aber, wenn sich das Verhältnis diesseits und jenseits der Theke auflöst oder zumindest in produktiver Art und Weise verschwimmt. Was ist damit gemeint? Ganz generell finden wir, dass wir alle die Gärbar machen. Zum Beispiel wäre sie ohne das SZ nicht möglich. Na klar, es gibt die Crew, die die Karte zusammenstellt und das Bier ausgibt usw. Aber der Abend wäre nichts ohne die Menschen, die vor der Theke stehen. Noch besser wird das Ganze, wenn Leute von euch auf die Idee kommen, sich einzubringen. Der heutige Abend (und auch schon der letzte) wäre nicht denkbar gewesen ohne die Initiative von Guido. Auch in der Vergangenheit hatten wir schon Biere auf der Karte, bei denen „Gäste“ gesagt haben, dass ihnen ein Forum gebührt. Dass wir das richtig gut finden, versteht sich von selbst: Schöner kann der Graswurzelgedanke nicht gelebt werden.

Wir freuen uns auf Biere aus Litauen.

Prost

Eure Gärbar-Crew

Brew Dog – die „Punk – Brauerei“ mit einem wirklich punkigen Move

Über die Craft Beer Revolution unter der Knute des Kapitals hatten wir schon einen entsprechenden Artikel, und natürlich sehen wir die Entwicklung auf dem Craft Beer Sektor durchaus auch kritisch.


Die “Punk-Rebellen-Brauer” aus der schottischen Brew Dog Brauerei sind in den vergangenen Jahren immer mal wieder in die Kritik geraten: Ausverkauf von Idealen zugunsten von Wachstum und wegen der  Preisgestaltung. Nun überraschten Martin und James mit einem Blogeintrag, der wirklich Punk ist: Sie haben die Rezepte all Ihrer Biere für die Home Brew – Freund*innen da draußen unter dem Motto DIY DOG als Download zur Verfügung gestellt.

Und aller Kritik zum Trotze: die Jungs haben ein paar wirklich hervorragende Biere im Sortiment, die wir das eine oder andere Mal auch schon im GärBar-Kühlschrank hatten!

Das ganze haben Sie mit einem schönen Video verknüpft. Ich werde dies als Anlass nehmen, das ganze morgen auf meiner kleinen Dublin-Reise nicht mit einem Guiness, sondern mit einem Brew Dog zu feiern!

 

Glyphosat im Bier: die Mediendiskurs-Schlacht nimmt Fahrt auf

Das Münchener Umweltinstitut hat die 14 umsatzstärksten Biermarken Deutschlands auf Rückstände des Pestizids Glyphosat untersucht und ist in allen Proben fündig geworden. Glyphosat steht unter dem Verdacht krebserregend zu sein. Die Wissenschaft streitet noch über die Gefahren. Statt anzuerkennen, dass noch Forschungsbedarf besteht, lanciert der Deutsche Brauer Bund in einer Pressemitteilung, dass die gefundenen Mengen völlig unbedenklich seien und beruft sich dabei auf das Bundesinstitut für Risikobewertung. Das Bundesinstitut für Risikobewertung forscht für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Es steht unter Verdacht, Studien zum Risiko von Glyphosat nur sehr selektiv wahrzunehmen. Beide Einrichtungen sind wiederum eng verstrickt mit der Ernährungsindustrie. Ein Schelm, der böses dabei denkt.

Wie schädlich ist Glyphosat?

Zur Zeit prüft die EU die Zulassung für Glyphosat. Die WHO stuft dieses Pestizid als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. In Argentinien kommt eine Studie zu dem Ergebnis, dass sich dort embryonale Fehlbildungen und andere schwerwiegende Krankheiten seit dem großflächigen Einsatz von Glyphosat  häufen. In der EU gehen Studien von einer Unbedenklichkeit aus. Allerdings sind diese Studien mit Vorsicht zu genießen: Sie sind allesamt von der Ernährungs- und Düngeindustrie in Auftrag gegeben worden. Vor allem die Bauern schätzen das Pflanzengift sehr, weil es Zeit und Geld spart. Um es einsetzten zu können, müssen genetisch manipulierte Pflanzen angebaut werden, die resistent gegen Glyphosat sind. Alle anderen Pflanzen werden abgetötet.

Ob nun krebserregend oder nicht, mag im alkoholhaltigen Bier eher zweitrangig erscheinen. Hier geht es um ein ganz grundlegendes Prinzip des Ackerbaus unter kapitalistischen Bedingungen: Profite werden privat eingefahren, während Nachteile für die Umwelt (und damit auch für uns) vergesellschaftet werden. Denn eines ist sicher: Der Biodiversität tut ein Herbizid niemals gut. Der Verlust von Biodiversität und dessen langfristige Folgen (und ihre Umkehrbarkeit) sind bei komplexen Öko-Systemen kaum zu prognostizieren.

Nur eines ist sicher: Die Wahrheit bleibt auf der Strecke

Der Befund des Umweltinstitutes München wurde zunächst von der Presse als Skandal aufgenommen. Pflanzengift im dt. Bier, das darf nicht sein, auch wenn sich Pestizide auf Obst und Gemüse finden lassen. Dass Glyphosat auch schon im Brot gefunden wurde, wird in den skandalträchtigen Meldungen ebenfalls  nicht erwähnt. Ob hier die Öffentlichkeitsstrategie des Umweltinstituts München aufgeht, wird sich zeigen. Der Deutsche Brauer Bund fährt jedenfalls harte Geschütze auf: Die Studie sei unseriös und die unseriös gefundenen Rückstände unbedenklich. Käme das Bundesinstitut zu einem anderen Ergebnis, würde das die gesamte unökologische Landwirtschaft in Frage stellen. Das will im Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung nun wirklich niemand.

Die Medien machen mit beim Öko-Bashing. Zum Beispiel die FAZ. In einem Kommentar beruft sie sich dabei auf die Reputation des Bundesinstitutes für Risikoforschung. Entweder hier hat jemand seinen Job (=Recherche) nicht erledigt oder eben doch. Jedenfalls bringt nur eine oberflächliche Recherche die unrühmliche Rolle des Bundesinstituts in Bezug auf Glyphosat zu Tage.

 

Reserviert ab 19 Uhr – Kleiner Bericht vom Sticke-Tag am 19. Januar 2016

Der Januar ist ein gärbarfreier Monat, also wie gemacht für einen kleinen Betriebsausflug in die Landeshauptstadt Düsseldorf. Beim Uerigen ist Sticke-Tag und den darf sich die Gärbar-Crew nicht entgehen lassen. Die Stimmung ist in Worten schwer einzufangen und vielleicht am besten durch die Worte, derjenigen Dame zu charakterisieren, die das Uerige verließ, als wir eingetreten sind: „Es ist doch immer wieder schön!“ (Eine andere Dame meinte aber auch, dass das Uerige viiiiel zu bitter sei. Das sehen wir natürlich anders. Spalter sei dank.)

Es hat schon am Sticke Tag eine ganz eigentümliche Atmosphäre. Der Altersdurchschnitt ist eher hoch, kaum Hippster vor Ort, die Stimmung ausgelassen, der Laden ziemlich voll und die meisten Tische ab 19 Uhr reserviert. Schlecht für uns, die wir nicht reserviert hatten, aber um sieben das erste Bier trinken wollten. Im hinteren Raum konnten wir dann doch einen Tisch ergattern. Ein paar Touristen von weit her mischten sich hier unter das Volk, tranken Bier und aßen gute Sachen.

Die Bierspezialistinnen treibt an diesem Abend nur eine Frage um: Wie gut ist die Sticke diesmal. Ja, ja, Bier ist ein Naturprodukt und das gilt fürs Sticke allemal. In einem kleinen Gespräch mit dem Brauer kam zu Tage, dass die Rohstoffe schon sehr schwankten und deshalb die Rezepte immer wieder angepasst werden müssten. So wäre der Alphasäure-Gehalt beim Hopfen in letzter Zeit eher abnehmend, sodass immer mehr Hopfen ins Bier muss, um die gleichen Bittereinheiten zu erreichen. Außerdem erfuhren wir, dass das Sticke hofpengestopft wird.

Das diesjährige Sticke ist ansprechend Bitter (keinesfalls zu bitter) und hat einen ziemlich schlanken Körper. Da beißt die Maus kein Faden ab: Dieses Bier ist im Bouquet straight hopfenwürzig und im Abgang hopfenbitter. Kein Wunder, dass dieses Bier zu den besten Bieren zählt, die man im Land des f***ing „Reinheitsgebots“ kaufen kann.

So schön kann polierte Kupfer sein
So schön kann poliertes Kupfer sein

 

Der heilige Gambrinus sieht ganz zufrieden aus
Der heilige Gambrinus sieht ganz zufrieden aus

 

Wirkt ein wenig trotzig, hat aber dennoch einen wahren Kern
Wirkt ein wenig trotzig, hat aber dennoch einen wahren Kern

 

Hier wird noch mit Doldenhopfen gebraut: eine Seltenheit und eine logistische Herausforderung, weil Doldenhopfen schlecht zu lagern ist
Hier wird noch mit Doldenhopfen gebraut: eine Seltenheit und eine logistische Herausforderung, weil Doldenhopfen schlecht zu lagern ist

 

Auch in der der Gärbar gibt es wie im Uerigen keinen Schnaps und keine Musik
Auch in der der Gärbar gibt es wie im Uerigen keinen Schnaps und keine Musik

 

Blumendeko fehlt der Gärbar allerdings
Blumendeko fehlt der Gärbar allerdings

 

So finden wir es gut: Sakrale Motive beim Kneipenfenster
So finden wir es gut: sakrale Motive beim Kneipenfenster

 

In der Nahansicht wird es ganz deutlich: Der St. Nikolaus verteilt gaben. Er ist einer unsere Lieblingsheiligen. Er kümmert sich ums Wohlergehen u. a. der Diebe, Bettler und Verbrecher, aber auch um die Kaufleute.
In der Nahansicht wird es ganz deutlich: Der St. Nikolaus verteilt Gaben. Er ist einer unsere Lieblingsheiligen. Er kümmert sich ums Wohlergehen u. a. der Diebe, Bettler und Verbrecher, aber auch um die Kaufleute, die wir eher kacke finden.

 

Die Grundlage des Reichtums einer jeden Gesellschaft: die Feldarbeit
Die Grundlage des Reichtums einer jeden Gesellschaft: die Feldarbeit, ohne sie kann nicht gebraut werden.

Neujahr ist keine Gärbar

Nun beginnt für die Gärbar das dritte Jahr. Das heißt, dass 22 wunderbare Abende hinter uns liegen. 22? Ja, genau! Traditionell ist der Januar ein gärbarloser Monat. Warum? Wer hat schon Lust an Neujahr weiter zu trinken? Wir nicht! Außerdem freuen wir uns, die Zeit zu nutzen, um unseren Keller aufzuräumen und alte Schätzchen auszugraben. Damit ihr aber 2016 immer im Bilde seid, wann Gärbar ist, haben wir einen kleinen Kalender zum ausdrucken und ins Portemonnaie kleben gestaltet.

Prost Neujahr
Eure Gärbar-Crew

 

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Bericht aus Orval

Anno Domini 2015 trug es sich zu, dass eine Urlaubsroute einen kleinen Abstecher zur Brauerei Orval zuließ, ohne einen großen Umweg zu riskieren. 2015 muss ein glückliches Jahr sein, denn schon seit mehreren Jahren versucht der Autor dieser Zeilen dort, im goldenen Tal, einzukehren, um diese einzigartige Atmosphäre zu erleben und, was noch schwerer wiegt, das Orval vert im Brauereiausschank Schutzengel (l‘Ange Gardien) zu trinken.

Unsere Reise begann in Bochum, führte über Aachen. Anschließend nimmt man die Abfahrt bei Verviers in Richtung Süden und fährt weiter über Landstraßen durch deindustriealisierte Orte. Ein Abstecher ins Tal Gottes (Val Dieu) bei Aubel wäre drin gewesen, wurde rigoros von der Reisegruppe abgelehnt. Im Norden sind die Ardennen felsig und schroff und ziemlich steil. Die Landschaft ist dadurch beeindruckend schön. Die Dörfer zeugen vom ehemaligen Reichtum, der mit der Industrie verfallen ist. Im Süden werden die Hügel runder, die die Landschaft prägen.

Nach der Abfahrt von der Autobahn nähert man sich dem Kloster in großen Schritten. Man ist gezwungen eine kleine Straße zu passieren, die durch ein Waldgebiet führt. Erste Zweifel stellen sich ein: Hier soll das Kloster liegen, wo das geliebte Orval entsteht? Am Eingang zum Tal passiert man das Brauerei-Gebäude. Nun ist auch klar, warum dies das goldene Tal ist. Das satte Oktober-Licht verleiht diesem Ort einen ganz besonderen Charakter. Bei der Ankunft begrüßen uns Schafe (oder Ziegen, wer weiß das schon so genau). Tatsächlich habe ich mir die ganze Chose ein wenig größer und touristischer vorgestellt. Im Grunde gibt es im Tal nur den Schutzengel, das Kloster und eine Straße mit Parkplätzen für die BesucherInnen, mehr nicht.

Nach allem, was man so im Feuilleton liest, ist der Rauschmittelkonsum recht stark geschlechtsspezifisch. Von diesem geschlechtsspezifischen Konsum spürt man ein deutliches Moment in Orval: Sämtliche Männer laufen dort mit einem seligen Grinsen durch die Gegend, während auffällig viele Frauen nach dem Besuch in Orval das Steuer bedienen.

Das Bier im Schutzengel schmeckt famos. Vor allem das Orval vert war wahrlich ein Genuss. Bereits das Bouquet ein Traum aus den besten Aromahopfen, die man kriegen kann. Das Bouquet ist irgendeine Mischung aus TAP 5, Störtebeker Atlantik-Ale und dem üblichen Orval, das ja ganz und gar ein unübliches Trappisten-Bier darstellt. Das Orval vert hat nur 4,5 vol. % Alc. Das ist ein wirklich niedriger Wert für ein geschmacklich so komplexes und reichhaltiges Bier. Wenn es dieses Bier im Handel in Flaschen gäbe, es bräuchte kein anderes mehr.

Vor Ort habe ich noch ein einjähriges Orval genossen. Es war nicht schlecht. Das jüngere, vor Ort gekaufte Orval bei Leibe aber auch nicht. Dieses Bier schmeckt einfach immer gut, auch wenn die Expert*innen behaupten, dass mit den Jahren die Bretts stärker durchkommen und dieses Getränkt immer besser wird. Aber was wird aus den tollen Hopfenaromen, die durchs Hopfenstopfen ins Bier gekommen sind? Sollten sie einfach der Verpflüchtigung ausgesetzt werden? Die Gärbar sagt dazu nein und bekennt sich zum frühen Genuss des Orvals!

Es ist auch gar nicht so einfach, dieses Bier so lange im heimischen Keller zu lagern. Schließlich ist es immer ein Genuss und ein kleines Orval als Absacker (sehr beliebt bei Gärbar-Treffen) geht eigentlich immer. Doch zum Glück gibt es Schwiegereltern. Sie haben vier Flaschen eingekellert und mir versprochen, sie bis zu ihrem Tod bei 15°C aufzubewahren. Ich wünsche ihnen noch ein langes Leben.

Beste Grüße und bis Freitag

Einer aus der Gärbar

Bierlyrik

Hier gibt es das PDF unserer Bierlyrik zum Ausdrucken als Bettlektüre.

Brauerei Schumacher 1838er, 5 % Alc., 0,25 l Glas

Das Schumacher 1838 ist einzigartig auf dem Bier-Markt. Es erinnert deutlich an ein amerikanisches IPA, mit 5 Vol.% ist es jedoch viel zu schlank für diese Kategorie. Eindeutig ein ordentliches Düsseldorfer Ale mit einer sehr floralen, würzigen Hopfennote in der Nase, ein wenig an Nelken und Honig erinnernd. Das Röstmalz, das dem Bier eine ansehnliche kastanienrote Farbe verleiht, bleibt im Hintergrund. Im Abgang ähnliche Noten wie im Bouquet mit leicht malzigen Noten.

2 Caps Blanche de Wissant, 4, 5 % Alc., 0,25 l Glas

Ein Wit-Bier aus einer der schönsten Regionen Nordfrankreichs, dem Landstrich zwischen Caps Griz Nez und Caps Blanc Nez, daher der Name der Brauerei 2 Caps. Eine Krone wie die schäumenden Wellen des Atlantiks, eine Farbe wie leuchtender Sand, ein süß-fruchtig-frischer Geschmack nach Limone, die dort demnächst auch wachsen könnte. Ein ideales Urlaubs-Erinnerungs-Weizen.

2 Caps D-Day Blonde, 6, 5 % Alc., 0,25 l Glas

Das Bier der Befreier! Für alle Antifas ein Muss! Es ist ein solides französisches Blonde. Der Schaum steht wie eine Eins, fast so stabil wie Eischnee und ebenso feinporig. In der Nase leichte Noten von Getreide. Nach einer Weile kommen Honignoten dazu. Der fruchtige Mittelteil ist stark von Kohlensäure geprägt. Der Nachgang eher unaufdringlich. Insgesamt ein süffiger Trunk, wie geschaffen zur immerwährenden Feier der Befreiung.

2 Caps Noire de Slack, 5, 4 % Alc., 0, 25 l Glas

Das Land hinter den Dünen zwischen den beiden Caps unterhalb von Calais ist geprägt von dunklen Brackwasserseen, ein fantastisches Vogelparadies. Dem widmet der Brauer Christoph Noyon das Noire de Slack, ein gut ausbalanciertes Stout mit Schokoloade- und Nuss-Noten mit etwas Kaffee, einem süffig-vanillig und leicht malzigen Körper und einem zwischen süß und bitter changierenden Abgang, schwarz wie die Slacks.

Brauprojekt 777 Triple 7 IPA, 7, 5 % Alc., 0, 25 l Glas

Das Land hinter den Dünen zwischen den beiden Caps unterhalb von Calais ist geprägt von dunklen Brackwasserseen, ein fantastisches Vogelparadies. Dem widmet der Brauer Christoph Noyon das Noire de Slack, ein gut ausbalanciertes Stout mit Schokoloade- und Nuss-Noten mit etwas Kaffee, einem süffig-vanillig und leicht malzigen Körper und einem zwischen süß und bitter changierenden Abgang, schwarz wie die Slacks.

Atlantic Ale, 5,1 % Alc., 0,5 l Fl.

Unter dem Label Störtebeker braut die Stralsunder Brauerei mehrere Biere. Ein richtig gutes ist dabei: das Atlantic Ale. In unseren Augen fast ein IPA. Die Trübung ist auf den Weizenanteil zurückzuführen und zeigt einen leichten Grünstich – eine Augenweide. Das Bouquet: ein Tango-Tanz der Rezeptoren, das sich auch nach dem ersten Schluck nicht verliert, wenn die Aromen die Mundhöhle ausfüllen. Im Körper ist das AA eher schlank und mit 5,1 Vol. % ganz und gar alltagstauglich.

Schneider Weiße Aventinus, 8,2 % Alc., 0,5 l Fl.

Am dunklen Doppelbock aus dem Hause Schneider Weisse kann gut erklärt werden, was sog. Ester können: Zum Beispiel krass nach Banane duften, obwohl im Bier keine Banane verbraut wurde. Die Amis, die das Bewertungsportal RateBeer.com dominieren, lieben diesen Bock. Er steht auf Platz zwei in der Kategorie Weizen-Bock. Offengestanden können wir dieses überschwengliche Urteil nicht recht nachvollziehen. Taucht selbst ein in die Welt der Aromen der dunklen Früchte und Gewürze.

De Molen Bommen & Granaten, 15,2 % Alc., 0, 33 l Fl.

Ein Bier kaufen, drei trinken: Dieses Bier ist höchstwahrscheinlich das höchstprozentige Bier, das je über die Theke im SZ gegeben wurde. Beim Bommen & Granaten aus der niederländischen Brauerei de Molen handelt es sich um ein sog. Barley Wine. Gibt es nur in der Gärbar. Der weinähnliche Alkoholgehalt erklärt den Namen. Im Glas bildet sich ein schöner, stabiler Schaum. Ausgesprochen frisch-fruchtige Noten strömen in die Nase: Der Alkohol versteckt sich hinter klaren Orangennoten und Obertönen von Melone. Der Mittelteil ist angenehm süßlich. Aber lass dich nicht täuschen: Eines genügt!

Framboise Boon, 5 % Alc., 0,375 l Fl.

Die Himbeer-Geuze von Boon ist besonders intensiv: 300 g Himbeeren pro Liter und ca. 5 % Wildkirschen machen das Framboise aus spontan vergorenem Lambik zur spritzig-erfrischenden Verbindung zwischen Wein und Bier, Säure und Bittere, Frucht und Süße. Schmeckt immer.

Boon Oude Geuze, 7 % Alc., 0,375Fl.

Frank Boon braut im belgischen Lembeek, dem Ort, der diesem weinartigen uralten Bierstil seinen Namen gab. Seine Oude Geuze ist eine Mischung von ein, zwei und drei Jahre in Holzfässern gelagertem Lambik, nachvergoren in der Flasche. Zitrus für die Nase, ein mild-saurer Körper, knochen-trocken mit komplexen Aromen zwischen Holz, Gold und Brettanom yces. Mehrfacher World Beer-Champion: 2008 Gold, 2010 Silber, 2012 Gold.

Breugem Saense Stout, 8 % Alc., 0, 33 l Fl.

Das Stout der niederländischen Brauerei Breugem wird mit Pale-Ale- und Röstmalz, Haferflocken, Northern-Brewer- und Fuggles-Hopfen gebraut und mit der Nottingham-Hefe vergoren. Es entsteht ein eher englisches, warm-weich-rundliches Stout, mit unaufdringlichen Kaffee- und Schokolade-Aromen, einer Spur von Rauch und Vanille, vollendet mit würziger Hopfennote und schokoladigem Abgang.

Chouffe Houblon Dobbelen IPA Tripel, 9 % Alc., 0, 33 l Fl.

Was kommt bei einer Hochzeit zwischen einem belgischen Trippel und einem India Pale Ale heraus? Eines der besten Biere, die man trinken kann. Der Schöne stabile Schaum tront auf einem hellen Bier, das je nach Lichteinfall an das Gelb von Zitronen erinnert. Das Bouquet ist ausgesprochen floral bis kräuterig. Der Körper ist prächtig ausgebaut und mit ordentlich Hopfen ausbalanciert. Im Mund eröffnet sich eine Aromenwiese aus Zitrus und orientalischen Gewürzen wie Koriander. Der Abgang ist recht bitter. So mögen wir es.

De Ranke XX, 6,2 % Alc., 0, 33 l Fl.

Als die De Ranke Brauer aus dem belgischen Wevelgem zu brauen begannen, war Craft Beer noch kein Begriff in Europa. Ihr XX Bitter dagegen wurde weltbekannt, als eines der extravagantesten, bittersten und aromatischsten Biere überhaupt – eine Vorlage für viele Brauer, und noch ohne fruchtigen Übersee-Hopfen in Form gebracht, mit Brewers Gold und Hallertauer. Der Geschmack: Ein typisch belgisches Ale, mit Hopfen über die Nase, über den weichen Körper bis noch Stunden nach dem Genuss, Gras, Brot, Kräuter, feine Frucht, trockende Wüste, würzige Hefe – es ist einfach alles drin, wenn Du es trinkst.

Duchesse de Bourgogne, 6, 2 % Alc., 0, 25 l Fl.

Das Duchesse ist ein Bier für die Kennerin und für alle, die sonst kein Bier mögen. Es hat über ein Jahr gedauert, bis wir dieses exzellente Oud Bruin aus dem Norden Belgiens in unser Portfolio aufnehmen konnten. Es reift zunächst 18 Monate in Eichenfässern, in dem die fleißigen Milchsäurebakterien ihren ehrenvollen Dienst tun. Anschließend wird es mit acht Monate gereiftem Bier verschnitten. Heraus kommt ein überaus bekömmliches und spritzig-fein karbonisiertes Getränk, das nicht an den üblichen Biermaßstäben gemessen werden kann. Das Duchesse hat einen runden süß-säuerlichen Körper. Statt mit Bitternoten des Hopfens zu protzen, wie es die IPAs tun, besticht dieses elegante Getränk durch prägnante Fruchtnoten von dunklen Kirschen mit leichten Balsamico-Anklängen. Der Abgang ist total Komplex.

Emelisse TIPA, 10 % Alc., 0,33 l Fl.

Das Triple India Pale Ale (auch Double oder Imperial IPA genannt) ist eine kräftigere, häufig süße, hopfenintensive Version des traditionellen IPA. Häufig kommt es schon in die Nähe eines Barley Wines, ist jedoch hopfenbetonter. Das TIPA der fleißigen Emelisse-Brouwerij im niederländischen Surferparadies Kamperland ist mit 10 % Alc. eine extrem wuchtige Interpretation, gebraut mit Chinook, Simcoe, Cascade und Amarillo-Hopfen. Es erscheint hellbraun im Glas, mit fruchtigem Hopfennaroma nach Mango, Pfirsich, Tropen, im Geschmack mildbitter-süß und ist erstaunlich süffig.

Jopen Extra Stout, 5,5 % Alc., 0, 33 l Fl.

Das Extra Stout von der Brauerei Jopen ist ein neuentdeckter Klassiker der niederländischen Braukunst. Noch um 1900 brauten die meisten Brauereien aus der Region um Haarlem Extra Stouts, Jopen hat diesen Biertyp zu neuem Leben erweckt. Das fast schwarze Bier verströmt das Aroma von bitterer Schokolade, Espresso und der subtilen Süße von Desserts. Im Mund zeigt sich ebenfalls eine angenehme Bitterkeit mit ein wenig Malzsüße. Ein wirklich schönes Stout das nicht umsonst 2011 eine Silbermedaille [bei der Olympiade? Anmerk. der Setzer] erhielt.

Fantôme Coffee Ruby, 8 % Alc., 0, 25 Glas

Das Coffee Ruby von unserer Lieblings-Farmhouse-Brewery Fantôme in der Wallonie kombiniert die Stile Stout und Saison aufs Beste. Das Geheimnis der vielleicht 80 Saison-Arten, die Dany Prignon braut, sind seine eigenen jahreszeitabhängigen Gewürzzutaten. Hier unverkennbar intensiv: der Kaffee. Vielleicht etwas Pfeffer, Kardamon? Jedenfalls ein einmaliges Getränk, schwarzbraun mit weißer Krone, einem erdig-pfeffrigen Kaffee- und grasig-kräuterigem Hopfenduft, der sich im weichen Körper erneut manifestiert, zusammen mit Datteln, Feigen und Biskuit und einem trockenen, leicht röstmalzigen Abgang. Ein ganz feines Bier.

Fantôme Dark White, 4, 7 % Alc., 0,25 l Glas

Das Saison-Wit aus einer der sympathischsten Brauereien der Wallonie, der Brasserie Fantôme. Der einmalige Geschmack entsteht durch fünf geheimgehaltene Gewürze und die spezielle Hefe. Dany Prignon braut übers Jahr jedes Bier anders – die Amis kaufen ihm alles ab. Das Dark White ist hellgolden mit einer orangen-grapefruit-fruchtigen Nase, einem herb-hopfigen Körper und einem würzig-trockenen Abgang eines der erfrischendsten Biere überhaupt.

Fantôme Pissenlit, 8 % Alc., 0, 25 l Glas

Pissenlit„ bedeutet wörtlich aus dem Französischen übersetzt ins Bett„, bezeichnet aber die Pusteblume. Geht diese Bezeichnung für dieses Saison auf seinen satten Gelb-Ton zurück oder gar auf eine besondere harntreibende Wirkung? Beides weit gefehlt. Tatsächlich ist dieses Bier mit Blüten des gemeinen Löwenzahns gebraut. Das Ergebnis, was hätten wir von Braumeister Dany anderes erwartet, ist ein Feuerwerk der Komplexität. Das Bouquet eher würzig mit leichten Noten bester Hefe. Der vermutlich nicht geringe Hopfenanteil ist gut eingebettet. Das Bier ist nicht zu trocken, nicht zu süß. Und die Löwenzahnblüten? Sie scheinen so gut zum Hopfen zu passen, dass sie nicht weiter auffallen. Aber wir wissen, dass sie drin sind.

Fantôme Saison, 8 % Alc., 0, 25 l Glas

Wenn es ein Bier gibt, das heute noch den Namen Saison verdient, dann ist das das Saison von Fantôme. Brauer Dany Prignons Saison ist immer wieder überraschend, aber immer großartig. Mehr als die Hälfte seiner Kapazität beanspruchen die Amis – und sie wollen immer mehr. Sein Sommer-Sud zeigt sich in grün-orangener Gestalt aus mit britzelnder Schaumkrone. Im Duft Orange, Grapefruit, Honig, im champagner-spritzigen Körper wieder Zitrone, Orangenschale, Aprikose und grasig-fruchtige Hopfenbittere, ein Finish aus Früchten, Saft und herber Frische. Mehr, mehr, schreit der Körper danach – zum Niederknien, Suchtgefahr!

Lindemans Faro, 4, 5 % Alc., 0, 375 l Fl.

Eigentlich darf das Faro gar nicht auf der Karte stehen: Es enthält den Süßstoff Acesulfam und der ist, wie alles, was man im Lebensmittelbereich nicht aussprechen kann, nicht so geil ursprünglich wurde zur Nachgärung Kandiszucker eingesetzt. Dennoch haben wir wenige Flaschen von unserer Bier-Tour in Belgien mitgebracht, weil das Faro aus dem Hause Lindemann das Lambic der Arbeiterklasse ist. Die Kombination aus Süß und Sauer ist für heiße Tage und laue Nächte keine schlechte Kombination, wobei beim Faro die Säure des Lambics dominiert. Im Glas bildet sich schöner Schaum und in der Mundhöhle ein prickelndes Erlebnis. Die Aromenwiese des Faro ist durchaus komplex: fruchtige Noten saurer Äpfel, feine Essignoten und schöne Vanille-Kleckse kombinieren mit dem Zucker ein feines Bier, das gut auf sonnige Terrassen passt.

St Feuillien Triple, 8, 5 % Alc., 0,33 Fl.

Bei einem Triple ist immer Vorsicht geboten: Beim Brauen belgischer Abteibiere wird das Malz drei Mal mit Wasser ausgespült. Das Tripel bekommt nur einen Nachguss, weshalb es stärker ist als ein Double. Dieses Triple aus dem wallonischen Dorf Roeulx ist dem heiligen Foillan (auf dem Gebiet des Dorfes erschlagen, Schutzpatron der Zahnärzte) gewidmet, wird aber nicht in einem Kloster, sondern von der Familie Friart gebraut. Der Schaum ist exorbitant stabil, fast zum Zerschneiden. Feine Fruchtnoten (Aprikose? Pflaume? ) machen das Bouquet zu einem Erlebnis der Vorfreude auf den ersten Schluck. Das Mundgefühl ist unglaublich samtig. Der Körper besticht mit einer angedeuteten Restsüße, die wunderbar zu den feinen Hopfen- und Hefearomen passen. Ein tolles Bier für besinnliche Stunden.

Hetzel Frauendorfer Rauchbier, 5.4 % Alc., 0,5 l Flasche

Wir legen uns fest: Das beste fränkische Rauchbier. Gerade, wer es nicht ganz so schinken-kräftig räucherig mag, wird hier fündig. Sattgold, leicht rauchig, karamell-vanillig, bitter-süß und etwas kräuterig – das Ganze extrem komplex und mit vielen Geschmacksfindungsmöglichkeitsecken. Der Rauchgeschmack kommt durch das Weizenmalz, das über Holz gedarrt wird. Die Brauerei Hetzel in Frauendorf, Nähe Bad Staffelstein, verkauft nur ab Brauerei, nur Sonntags ist ein wunderbarer Ausschank geöffnet.

FRITZ Ale IPA 5,8 % Alc., 0,33 l Fl.

Fritz Wülfing aus Bonn ist ein Pionier der hiesigen Szene. Begeistert von den extrem hopfigen Indian Pale Ales in den USA wurde er zum Gypsy Brewer und braute seine Ales u.a. in der Hagener Privatbrauerei Vormann. Sein IPA offenbart einen Cocktail an Aromen, Zitrusfrüchte und Mango strömen in die Nase. Typisch IPA: die schöne Bitterkeit auf der Zunge, die feine Restsüße. Dank fritz kola darf Fritz das Bier nicht mehr unter seinem Namen verkaufen. Bei der Gär-Bar gibt es die letzten Originale.

FRITZ Ale Extra Special Bitter 5,6 % Alc., 0,33 l. Fl.

Das Fritz Ale ist eine klassische Vertreterin englischer Bitterbiere, wie wir sie außerhalb Großbritanniens nur selten finden. Gebraut wurde das Extra Special Bitter (ESB) ebenfalls bei Vormann, unter Verwendung englischer Hefe und amerikanischen Aromahopfen. In der Nase starke Zitrusfrüchte, mit einer ausbalancierten, grandiosen Bitterkeit. Ein Bitter mit fruchtiger Wucht. Wir haben die letzten Flaschen erobert – Fritz wird das ESB nie wieder brauen.

Girardin Framboise, 5 % Alc., 0,375 l Fl.

Für die Himbeer-Geuze verwendet die Familie Girardin 150 Gramm Himbeeren pro Liter Oude Lambik. Das Framboisen-Lambik reift in kleinen Chargen und ist das wertvollste und sensibelste Lambik-Produkt. Die Wirkung der Himbeeren ist fantastisch: Viel Beerenfrucht in der Nase und am Gaumen, milde Säure, balanciert mit einer feinen Süße und Anklängen an Erdbeere und Rhabarbar, dazu etwas Eichenfass. Framboise ist der fruchtig-bierige Sektersatz.

Girardin Oude Gueuze, 5 % Alc., 0,375 l Fl.

Oude Geuze entsteht durch Vermischen von einjährigem Lambik und zwei bis drei Jahre gereiftem Lambik und ist eine belgische Spezialität. Mit Nachgärung in der Flasche kann es über 25 Jahre alt werden. Das Girardin Geuze: spritzig-fruchtig, brut-trocken, marzipan-weich und fass-weinig ein erfrischendes Gaumen- und Kehlenerlebnis.

Girardin Oude Kriekenlambik, < 5 % Alc., 0,25 l Glas

Kriekenlambik ist Lambik (siehe dort), im Fass wildvergoren mit Kirschen, zwischen 150 bis 300 Gramm pro Liter. Girardin verwendet Süßkirschen, deswegen ist das Kriekenlambik hellrot und leicht süßlich. Ein vollmundiges Kirscharoma, begleitet von Vanille, Rosine und Mandel. Traum eines Kirschbiers, in Europa nur in der Gärbar.

Girardin Oude Kriek, 5 % Alc., 0,375 l Fl.

Kriek ist die flaschenvergorene Version des Geuze aus Kriekenlambik, dem mit Kirschen vergorenen Urstoff des Bieres. Je nach verwendeten Kirschen und Rei- fung kann das Kriek sauer-herb bis süßlich sein. Das Girardin Kriek ist feinrot, klar, mit vollem Kirschgeschmack, leichten Zitrus- und Zimtnoten und einer angenehmen trockenen Süße die mit einer feinen Bittere endet. Ein grandioses Kriek für jeden Tag.

Girardin Oude Lambik, ca. 5 % Alc., 0, 25 l Glas

Die wilden Hefen des Pajottenlandes westlich von Brüssel prägen das Lambik. Gereift in Eichenfässern über mindestens 18 Monate, gebraut mit etwa 30 Prozent ungemälztem Weizen: Ein stilles, trockenes und leicht saures, weinartiges Bier mit komplexen Bitter- und Fassnoten. Eines der komplexesten Biere der Welt. Außerhalb von Brüssel nur in der Gärbar.

Original Döllnitzer Ritterguts Gose, 4, 2 % Alc., 0, 25 l Glas

Ach, die Gose. Es gibt unzählige tolle Geschichten um sie. Ursprünglich auch wildvergoren, mit Hilfe von Milchsäurebakterien, dazu mit Kochsalz und Koriander, noch warm in Fässern an die Goseschenken geliefert, dort in langhalsige Bocksbeutelflaschen gefüllt, die die aufsteigende Hefe verschloss, so dass die Gose darunter nachgären konnte. Das Prinzip formt heute ein angenehm saures, erfrischend leichtes Bier, das gerade eine Renaissance erfährt. Beste Gose beim World Beer Award 2013.

Gruthaus Pumpernickel Porter, 5,6 % Alc., 0, 33 l Fl.

Grutherr Philipp Overberg hat lange experimentiert und für ein Bier mit westfälisch-münsterschem Colorit etwas mit Pumpernickel gebraut, so wie früher auch schon mal mit gebackenem Brot gemaischt wurde. Durch die lange Backzeit erhält das Pumpernickel, aus Roggenkorn und -schrot besteht, seine Farbe und den leichten Karamellgeschmack. Das Pumpernickel wird mit Roggen- und Röstmalz gemaischt und mit Tettnanger Doldenhopfen gekocht und unfiltriert in der Hagener Vormann Brauerei abgefüllt. Aus der Flasche entsteigt ein mittelstarker Körper, schwach karbonisiert, mit Bitter-, Röst- und Schokonoten, etwas Karamell und grasigem Hopfen – flüssiges, nahrhaftes Brot.

Gruthaus Überwasser Alt, 5 % Alc., 0, 33 l Fl.

Früher gab es in Münster über 80 Brauereien. Alle brauten ein Alt, das jedoch hell statt dunkel war, wie man es heute aus dem Rheinland kennt. Nur noch Pinkus Müller ist übrig geblieben – und seit 2013 gibt es das Gruthaus, das alte Stile auf ein modernes Niveau hebt. Das Überwasser-Alt mit 12,5 Plato Stammwürze ist ein helles, traditionelles Münsteraner Alt, leicht säuerlich durch Milchsäuregärung, mit feinen Citra- und Amarillo-Hopfen, etwas Gerstenmalz und feiner Fruchtnote, harmonisch abgestimmt. Auf jeden Fall probieren!

Hellers Alt, 4, 7 % Alc., 0, 5 l Fl.

Sollte eine Kölner Brauerei Alt im Düsseldorfer Stil brauen? Uns ist das offengestanden egal, wenn das Ergebnis stimmt und das Bio-Alt aus der Dom-Metropole kann sich wirklich sehen lassen. In der Farbe dunkler als Bernstein wirkt der Schaum schön feinporig, eben wie eine schöne Crema eines guten Espressos. Das Bouquet ist definiert malzaromatisch mit blumigen Noten und einer Nuance von grünen Kräutern. Im Antrunk Karamell-Noten, die sich nach hinten raus in einer satten Portion Hopfenbittere verlieren. Ein gelungenes Bio-Alt aus Köln.

Hercule Stout, 9 % Alc., 0, 33 l Fl.

Das Hercule Stout ist ein Russian Imperial Stout der Brasserie des Légendes oder wie es die Brauerei sagt „the only Belgian Stout“. Benannt nach der Romanfigur Hercule Poirot, ein von sich sehr überzeugter Privatdetektiv mit einem markanten Schnauzbart. Wenn die Fähigkeiten des guten Hercule nur ansatzweise der Qualität entsprachen, die dieses Stout an den Tag legt, so muss sich ein gewisser Mr. Holmes aus der Baker Street Sorgen um sein Ruf als größter Privatdetektiv machen. Ein volles und dichtes Aroma der Röstmalze und ein tolles Mundgefühl mit viel Kaffee zeichnen dieses wirklich famose Bier aus. Selten schmeckten 9 % Alc. so lecker!

Hoegaarden Wit, 4, 9 % Alc., 0,25 l Fl.

Das Hoegaarden Wit ist ein gutes Beispiel für die Idiotie des sog. Reinheitsgebots. Eingebraut mit Orangenschalen und Koriander entsteht ein sommerleichtes Weizenbier, das wir nur wärmstens ans Herz legen können. In der Nase leichte hefig-bananinge Noten gepaart mit einer feinen Kräuternote. Der schlanke und frische Körper macht dieses Bier zu einem schönen Sommerbier.

Allgäu Hopfen Royal, 6, 9 % Alc., 0, 33 l Fl.

Ebenso wie das Braukatz Pale Ale von der Brau-Manufactur in Nesselwang im Allgäu. Selbstverständlich mit bayerischer Braugerste, Tettnanger Hopfen vom Hopfen-Gut Georg Bentele und Nesselwanger Bergquellwasser. Dazu gibt die Manufactur noch Cascade, um Aroma und Geschmack zu intensivieren. Tiefgolden im Glas, mit stabiler Schaumkrone und einem mild-süßen Aroma gelangt mensch zu einem moderat bitter-süßen Geschmackserlebnis mit einem etwas rauhen aber vollen Körper und ebenfalls bitter-süßem Finish.

Hopfenstopfer Comet IPA, 6,8 % Alc., 0,33 l Fl.

komponiert mit der alten amerikanischen Hopfensorte Comet, angebaut in Hallertau. Dazu kommen die Hallertauer Hopfen Saphir und Taurus und bilden 55 Bittereinheiten. Der Malzkörper mit 16,7 % Stammwürze entsteht aus Pilsner-, Münchner-, Wiener- und Melanodinmalzen: Ein goldfarbenes, beerig-fruchtiges IPA mit einer kräftigen Bittere für Nase und Gaumen, gefedert durch honigmelonene Restsüße im süffig-molligen Körper.

Smokey Porter, 7 % Alc., 0, 33 l Fl.

Malz ist unter Feuchtigkeit angekeimtes Getreide, welches wieder getrocknet wurde. Bei diesem feinem Bier wurde das Getreide unter Rauch gedarrt. Dadurch bekommt das Bier ein rauchiges Aroma, wofür z.B. die Bamberger Rauchbiere weltberühmt sind. Der erste Schluck ist der rauchigste. Danach kommt es schnell zu einer Toleranzsteigerung auf der Zunge. Bei diesem Porter sind die Raucharomen in einem starken und malzigen Körper eingebettet, was dieses Bier zu einem absolut empfehlenswerten Rauchbier macht. Dennoch: Man muss diesen Stoff mögen. Und wir mögen diesen geilen Scheiß.

Jopen Hoppenbier, 6,8 % Alc., 0,33 l Fl.

Was ist wohl ein Hoppenbier? Die Antwort folgt aufs Glas. Das honig-süße Hopfenbouquet macht wirklich Freude und harmoniert sehr gut mit den Citrusaromen des verbrauten Hopfens. Die naturbelassene Trübung verleiht diesem hellen Bier einen zünftigen Auftritt. Der Antrunk ist so Bitter, dass es auf der Zungenspitze kribbelt. Herrlich. Ein wirklich gelungendes Obergäriges aus Holland, das noch lange in der Mundhöle nachhallt.

Köstritzer IPA, 7 % Alc., 0, 5 l Fl.

Eigentlich heißt dieses Bier östritzer Meisterwerke Pale Ale„. Weiß der Teufel, was sich die Marketingabteilung dabei gedacht hat. Für ein Pale Ale ist es zu stark im Alkoholgehalt und zu kräftig gehopft. Also wollen wir bei der Wahrheit bleiben: Dieses Bier ist ein gelungendes IPA. Bereits Farbe und Schaum steigern die Vorfreude auf vollen Biergenuss. Der leichte Orangeton passt gut zur Flaschenbanderole. Der Schaum ist stabil und bleibt am Glas haften. Das Bouquet ist typisch für die neuen IPAs: Zitrusfrüchte mit floral-würzigen Ausprägungen. Bereits im Antrunk zeigt sich ein gut ausgebauter malziger Körper mit einer akzeptablen Restsüße. Für ein Bier aus dem Bitburger-Konzern ist dieses Ale erstaunlich bitter und richtig gut zu tinken.

Brauerei Schumacher Latzen, 5,5 % Alc., 0, 25 l Glas

Das Latzenbier von Schumacher hat seinen Namen deswegen, weil der Braumeister besonders gelungene Sude „op de Latt“gelegt hat. Spürbar die Extraportionen Malz und Hopfen, ist es vollvergoren etwas stärker und zeigt sich kräftig rostrot mit feiner Nase, ausgewogener Bittere und leichtem Hasel. Ausgeschenkt wird es nur drei Mal im Jahr, im März, September und November. Wir haben genug für Euch vom wunderbaren März-Sud.

London Porter, 5,4 % Alc., 0, 5 l Fl.

Das London Porter ist ein sehr feines Bier von der unabhängigen Brauerei Fuller, Smith & Turner aus London. Es ergießt sich ein herrlich dunkelbraunes Bier ins Glas, das wunderbare Röstaromen verströmt. In der Nase findet sich Toffee und ein Hauch dunkler Schokolade, unterschwellig lässt sich eine dezente Note von Sauerteig finden. Der erste Schluck zeigt die erwartete Malzsüße, doch spätestens am Gaumen offenbart sich eine überraschende Bitterkeit des Hopfens; der Abgang ist schön lang und angenehm bitter. Das London Porter ist ein ausgesprochen gelungenes Bier, welches die Süße des Malzes und Bitterkeit von Hopfen kombiniert. Wie jedes gute englische Bier sollte es wohl temperiert genossen werden!

Mort Subite Kriek, 4, 5 % Alc., 0, 25 l Fl.

Dieses Bier haben wir aus einem belgischen Supermarkt mitgebracht. „Pas grande chose“ würde man auf französisch sagen, denn dieses Bier zeichnet sich nicht durch den Widerstand aus, den wir ansonsten so schätzen, sondern durch seine oberflächliche Leichtigkeit. Diese wird vor allem durch die Zugabe von Zucker erreicht. So wird ein an sich saures Bier zu einem Sommertrunk, den alle, die ansonsten Limo ins Bier mischen, gut finden werden. Das ist aber gar nicht abwertend gemeint: Zur rechten Zeit getrunken schmeckt dieses Bier richtig gut. Süße Kirsche trifft saure Geuze ist ein gutes Konzept.

The Monarchy Münchhausen, 4, 8 % Alc., 0,5 l Fl.

Dieses Bier ist ein saurer Genuss. Der Tradition des westfälischen Alts nachempfunden besticht diese Bier durch eine leichte Säure. Das macht es überaus bekömmlich. Außerdem ist sein kupfer-brauner Ton im Glas schön anzusehen. Dieses Bier schmeckt eigentlich immer.

The Monarchy Preußen Weiße, 5, 8 % Alc., 0, 5 l Fl.

Ja, komische Zutaten im Bier finden wir irgendwie gut. In der Preußen Weiße wurden ungewöhnliche Zutaten verbraut: Ingwer, Wacholder und Zuckerrüben-Sirup. Angeblich ein Original-Rezept aus Preußen von 1831. Insgesamt macht dieses Bier eine gute Figur. Die weizentypischen Bananennoten sind schön kombiniert mit feinen Würzaromen. Heraus kommt ein bekömmlichen Weizen, das es nicht an jeder Ecke gibt.

Orval, 6,2 % Alc., 0,33 l Fl.

Für uns das beste Trappistenbier. Aus dem Kloster Orval im Goldenen Tal (le val d‘or) in der Provinz Luxembourg – überall ausverkauft, gibt‘s nur in der Gärbar. 45 bis 50 Bittereinheiten und hopfengestopft, vergoren von und mit Bretanomyces, die Orval-Hefe ist unerreicht. Aromen: Kräuterwiese, blühende Apfelbäume, weiches Hopfenbett, eine Symphonie der Komplexität. Einfach das beste Trappistenbier.

Lion ̧Plume Postiche, 8, 1 % Alc., 0, 33 l Fl.

Wer Röstaromen und einen starken Körtper mag, sollte es mit dem Postiche probieren. Es ist ein klassisches Russian Imperial Stout, also eine starke Stout-Version. Dieses tiefschwarze Bier glänzt durch satte Kaffeearomen und fruchtig-bittere Noten. Eine starke selbstgedrehte Zigarette passt bestimmt gut zu diesem Bier.

Onkel Herbert Rabarber Weisse, 4, 4 % Alc., 0, 33 l Fl.

Die Rhabarber Weisse orientiert sich nach eigenem Bekunden an der berühmten Berliner Weisse. Leider ist diese ausgestorben: Das Zeug, das Kindl braut, ist keine echte Weisse mehr, weil sie gewisse handwerkliche Schritte vermissen lässt. Das Onkel Herbert wird anscheinend mit Milchsäure und Rhabarberpüree gesäuert. Das ist zwar auch nicht die handwerkliche Art, Weisse zu erzeugen, aber Rhabarber ins Bier zu tun, halten wir prinzipiell für eine sehr gute Idee. Im Glas und in der Nase überzeugt dieses Bier auf ganzer Linie: Hübsch getrübt mischt sich ein leichter Grünton ins Gold. Dieses Bier kann gut auf Sauer: Aromen von Zitrone und Weißweinnoten in der Nase. Der Körper erfüllt deutlich alle Erwartungen, auch wenn es nach Hinten heraus ein wenig abfällt und eine Spur zu trocken ausfällt. Dennoch: Wer Säure mag, wird dieses Bier schätzen.

Riedenburger Dolden Sud IPA, 6,5 % Alc., 0,33 l Fl.

Das einzige Bio-IPA, dann noch mit 55 Bittereinheiten und offenbar bayerischen Hopfen, verändert sich von Sud zu Sud, fast immer ausverkauft. Typisch sind die haselnussbraune Farbe, feine Rezenz und die grasige Hopfennase, ein mehr oder weniger rauher Mittelbau aus Hopfenbittere und Zitrusnoten, abgefedert durch zartes Karamell mit einem dichten Mundgefühl. Vorsicht vor der Süffigkeit!

Riedenburger Dolden Dark, 6, 9 % Alc., 0,33 l Fl., Bio

Ein Porter schwarz wie die Nacht. Mit obergäriger Hefe gebraut überzeugt dieses elegante Bio-Bier durch Süffigkeit auf der ganzen Linie. Es bildet sich nicht übermäßig Schaum, sondern eher eine feine Crema, wie auf einem guten Espresso. Schaum wird in Deutschland eh stark überschätzt. Die für den Stil obligatorischen Röst- und Schokoladenaromen sind eingebettet in einen mittelsüßen Körper und eher dezent.

Rodenbach Grand Cru, 6 % Alc., 0,33 l Fl.

Eines der besten Braunbiere der Welt, gebraut in der uralten Brauerei Rodenbach, die zu Palm gehört, im belgischen Roselaare. Das Bier wird in bis zu sechs Meter hohen aufrechten Holzfässern gereift, an der Gärung beteiligen sich auch wilde Hefen, Brettanomyces und Milchsäurebakterien. Ein großer Teil lagert zwei Jahre und länger in den Holzfässern. Zwei Drittel des Zweijährigen und ein Drittel des jungen Bieres gelangen zusammen in die Flasche, in der es weiter gärt. Heraus kommt ein charmantes, durst-löschend fruchtig süß-saures weinartiges rötlichbraunes Bier mit eleganten Fassnoten und hoher geschmacklicher Komplexität. Diese Multitude ist nicht immer für jeden, doch meist für jede. Ein ausgewogen mehrdimensionales Bier mit Noten von Kirsche, Chardonnay und Balsamico, wenig carbonisiert.

Ruhrtaler Pale Ale, 5,4 % Alc., 0,25 l Glas

Die kleine Brauerei Ruhrtaler am Zulauf der Ruhr in den Kemnader Stausee hatte bisher zwei schöne Biere: ein Helles und ein Dunkles. Seit kurzem gibt es ein anspruchsvolles Session Pale Ale in blass goldenem Ton mit stabiler weißer Krone, das in der Nase kräuterig-grasig mit trockenen Grapefruit-Zitrus-Noten wirkt. Der bitter-süße Geschmack des leichten bis mittelschweren fast ein wenig süß-malzigen Körpers bildet die Mitte, ein nicht zu trockener, süß-fruchtiger anhaltender Abgang das Ende. Sehr gelungen. Fünf Hopfensorten sollen drin sein.

Saint Feuillien Saison, 6, 5 % Alc., 0, 33 l Fl.

Das Saison der Brasserie St. Feuillien bekommt überall beste Noten. Es ist ein Saison aus dem südlichen Belgien, ähnlich dem Klassiker Saison Dupont, und bringt alles mit, was ein Saison haben sollte: Würze, kräuterige Extravaganz, hopfige Bittere. Ein rauhes und gleichzeitig feines Bier. Typisch auch das Hefedepot, das man auf jeden Fall mitnehmen sollte – wer’s nicht mag, dekantiert vorsichtig.

Saison Dupont, 6, 5 % Alc., 0, 33 l Fl.

Der Klassiker, eines unserer Lieblingsbiere, das vielfach kopierte und unerreichte Original: Das Saison der Brasserie Dupont ist das klassische belgische Ale„ dem früheren durstlöschenden Bier der Feldarbeiter. Es ist wunderbar ausbalanciert, würzig, hochkomplex, mit frisch-fruchtigen Tönen und einem langen, trockenen Abgang – ein Bier, das immer und jeder schmeckt. Ungefiltert, nicht pasteurisiert und in der Flasche nachvergoren, wie es sein muss und es nicht jeder kann und macht.

Smokey Porter, 7 % Alc., 0, 33 l Fl.

Malz ist unter Feuchtigkeit angekeimtes Getreide, welches wieder getrocknet wurde. Bei diesem feinem Bier wurde das Getreide unter Rauch gedarrt. Dadurch bekommt das Bier ein rauchiges Aroma, wofür z.B. die Bamberger Rauchbiere weltberühmt sind. Der erste Schluck ist der rauchigste. Danach kommt es schnell zu einer Toleranzsteigerung auf der Zunge. Bei diesem Porter sind die Raucharomen in einem starken und malzigen Körper eingebettet, was dieses Bier zu einem absolut empfehlenswerten Rauchbier macht. Dennoch: Man muss diesen Stoff mögen. Und wir mögen diesen geilen Scheiß.

Uerige Sticke, 6 % Alc., 0, 5 l Fl.

Das Sticke ist ein Alt-Bier der Düsseldorfer Brauerei Uerige in der Altstadt. Es wird nur zwei Mal im Jahr gebraut und am jeweils dritten Dienstag im Januar und im Oktober ausgeschenkt. Wir waren da und konnten einige Flaschen erbeuten, die wir nur mit Euch teilen. Aufgrund seines höheren Hopfen- und Alkoholgehalts ist das Sticke länger haltbar, als das normale Uerige Alt. Das hat schon 55 Bittereinheiten und gilt als eines der besten Altbiere der Welt. Das Sticke dieses Jahres ist mit seiner reichen Hopfennase besonders gut gelungen. Schön rostbraun, gekrönt von einem festen Schaum lösen sich auf der Zunge zarte Röstmalze, verbinden sich mit dem trockenen Grundkörper aus Spalter Hopfen und komplexer Malzfrucht, das Ganze zusammen gehalten von einer karamellartigen Restsüße und einem Abschluss aus Röstnuss, Vanille und Bitterschokolade.

Stiefel-Jürgens Obergäriges Lagerbier, 4,8 % Alc., 0, 33 l Glas

Westfalen häufig gebraut wurde, heute vergleichbar mit einem Kölsch, aus der ältesten Brauerei Westfalens in Beckum, die immer einen Besuch wert ist, und der die Nazis nicht die Kessel geraubt haben. Hell, klar, süffig mit einer würzigen Bittere aus der Stammhefe der Brauerei, einen vollen Körper formend. Unterschiedlich, aber meist einmalig geschmackvoll.

Stouterik 4,5 % Alc., 0,33 l Fl.

Stouterik – THE BRUSSELS STOUT“ nennt sich das Stout der Brasserie de la Senne. Wie es sich für ein Stout gehört, protzt es nicht mit Prozenten, sondern mit vielfältigen Röstaromen. Wer bei diesem Bier nicht die Kaffee- und Schokoladennoten herausschmeckt, sollte sich einen Termin beim HNO holen, aber schleunigst.

Schneider Weiße TAP 4, 6,2% Alc., 0,5l Fl.

Ein Weizenbock mit Zutaten aus dem biologischen Landbau. Es wird auch „das Grüne“ genannt und es ist erstaunlich, wie treffend diese Lexik ist: Wenn man Farben riechen könnte, dann käme das Tap 4 grün ziemlich nahe. Das TAP 4 erinnert eher an ein belgisches Saison als an ein bayrisches Weizenbier. Es ist ein schönes Sommer-Bier mit einer leichten Spritzigkeit, die gut verschleiert, dass dieser Bock immerhin 6, 2 Vol.% auf die Waage bringt. Wirklich famos.

Schneider Weisse TAP 5, 8,2 % Alc., 0,5 l Fl.

Ein Weizen-Doppelbock mit 8,2 Vol. % und erhöhter Suchtgefahr. Vielleicht weil so wenig mit einem bayrischen Weizen gemein hat. Im Glas ist es hübsch anzuschauen: Das TAP 5 hat einen deutlichen Kupferstich und der Schaum ist feinporig, fast cremig. In der Nase fällt zunächst das herausragende Bouquet auf: Deutliche Zitrusnoten mit einer ausgeprägten Würze arrangiert zeigen, was Aromahopfen kann, wenn man ihn lässt. Im Antrunk ist das TAP 5 ziemlich spritzig und gewinnt nach hinten hinaus deutlich an Bitterkeit, die sehr wohltuend wirkt.

Three Kings With Respect, 7, 2 % Alc., 29/50 pt. Fl.

Im Bouquet eine Mischung aus gebrannten Karamel und fruchtiger Orangenmarmelade erinnert uns dieses Bier zwar an die Winterzeit, aber dieses English Strong Ale aus North Shields schmeckt immer gut. Der fruchtig-nussige Antrung wird flankiert von herben Hopfenaromen, wie man sie vielleicht von IPAs kennt. Nur für diesen Abend im Programm und auf 10 Flaschen limitiert. Wat wech is, is wech!

Uetzinger Metzgerbräu Lager, 5 % Alc., 0,25 l Glas

Das Lager von der Hausbrauerei Reichert in Uetzing in der Nähe von Bad Staffelstein in Franken ist ein wirklich außergewöhnliches, kupferfarbenes Lager mit herb-fruchtiger Hopfennote, einem karamell-malzigen sanften Antrunk und einer hohen, vollmundigen Komplexität. Das würzige Landbier endet mit einem süßlich-herben Abgang, der Umami und Küchenkräuter im Gaumen zurückbleiben lässt – eines der besten fränkischen Biere. Manni Reichert hat seine ersten Sude im Wurstkessel gebraut, mittlerweile glänzt auch bei ihm viel Edelstahl. Sein kleiner Dorfladen mit Ausschank ist immer eine Reise wert.

Abbaye Val Dieu Blonde, 6 % Alc., 0, 33 l Fl.

Das Tal Gottes liegt kurz hinter der Deutsch-Belgischen Grenze in der Nähe von Aachen und ist aus dem Ruhrgebiet gut mit dem Auto zu erreichen. In der Abtei kann man die Biere der Brauerei vom Fass in einer magischen Atmosphäre genießen. Im Glas macht es eine gute Figur: feiner Schaum und in der Nase eine Komposition feiner Kräuter in einem angenehmen Hefebett. Insgesamt ein süffiges Bier ohne Kanten mit einem wohl ausgebauten Körper.

Vedett IPA, 6 % Alc., 0, 33 l Fl.

Auf dem Etikett wird nicht mit superlativen hinter dem Berg gehalten: Dieses IPA sei extra-ordinary, extra high. In der Nase kann es mit einem Bouquet entzücken, wie es sich für ein Bier dieses Stils gehört. Gut gefällt, dass die Grapefruit- und Madarinen-Noten von einem feinen Hefebett getragen werden. Der Antrunk ist durchaus angemessen Herb und der Mittelteil steigert sich ins Bittere, ohne zu übertreiben. Insgesamt ein sehr solides IPA, dass FreundInnen dieses Stils nicht verpassen sollten. [Anmerkung des Setzers: Es sind nur wenige Falschen im Keller! ]

The Monarchy Viking Gose, 6, 5 % Alc., 0, 25 l Glas

Dieses Bier ist sauer und rauchig. Also vorsicht! Wer saueren Bieren und rauchigen Bieren jedoch nicht abneigt ist, sollte diese Bier unbedingt probieren. In der Vormann-Brauerei gebraut überzeugt dieses Bier durch eine wohl austradierte Trockenheit. Dieser Trunk wird von Schluck zu Schluck süffiger und reicht bis tief in die Kehle hinein.

Vormann Malzbier, 1, 5 % Alc., 0,33 Fl.

Kein Straight-Edge-Bier, da noch alkoholhaltig, aber ein gutes, traditionelles Malzbier, das noch leicht angegoren wird und nicht mit Zuckercoleur gepanscht ist. Mild-weich im Antrunk, süß, jedoch ohne klebrig zu sein, malzig-bierig mit einer milden Herbe im Nachgang. Wer wenig Alkohol und süße Biere mag ist beim Vormann Malz richtig.

Vormanns Doppelbock, 8 % Alc., 0, 33 l Fl.

Advendszeit ist Fastenzeit und Fastenzeit ist Bockbierzeit. Es ist nicht ohne Ironie, dass die Mönche in der Fastenzeit das Bier stärker einbrauten, damit die achso beschwerliche Fastenperiode nicht ganz so beschwerlich daherkommt. Der Doppelbbock der Brauerei Vormann aus Hagen-Dahl eignet sich gut als Einstieg in die hochprozentigen Exemplare und weiß durch eine konsequente Süffigkeit zu überzeugen.

Vormanns Vorder, 4, 2 % Alc., 0, 33 l Fl.

Vormann ist eine traditionsreiche Hagener Brauerei. Obwohl das Vorder ein nicht ganz so typisches Export ist, ist es wohl das konventionellste Bier in unserem Keller. Das muss aber beileibe nichts schlechtes heißen! Einigermaßen überraschend ist, dass sich kein Dortmunder Export in der hübsch geformten Falsche findet, sondern ein eher zu hell geratenes Münchener Dunkel. Geschmacklich gefällt das Vorder durch dezente Röstaromen und einer leichten Hopfenbittere.

Westmalle Dubbel, 7 % Alc., 0,33 l Fl.

Das Westmalle wird von Trappisten gebraut. Ein Dubbel ist eigentlich immer ein dunkles Bier im Abtei-Stil. Das Westmalle Dubbel ist wohl ein Bilderbuch-Dubbel: Im Glas verstömt es das Aroma dunkler Beeren mit einem hefig, alkoholischen Unterton. Der Schaum ist feinporig und bildet auf dem Bier kleine Schauminseln. Der Abgang ist eher süffig mit leichten Bittermandel-Aromen.

Westmalle Tripel, 9, 5 % Alc., 0, 33 l Fl.

Trappistenbieren wohnt stets etwas Transzendentes inne. Gut sind sie allemal. Das Tripel aus dem belgischen Ort Malle ist ein wirklich starkes Exemplar seiner Gattung. Der Schaum bildet im Trappistenkelch auf dem goldenen Bier die typischen Schauminseln, die sich hübsch entwickeln. Das Bouquet ist ausgesprochen fruchtig. Das Trippel hat dezent alkoholische Noten, die diesem Bier einen Körper verleihen, der wie gemacht ist für winterliche Abende.

Brauerei Witzgall Landbier, 5, 2 % Alc., 0, 5 l Fl.

Aus der großen Zahl der schmackhaften fränkischen Landbiere, die die noch existierenden 250 kleinen und mittleren Brauereien in Franken brauen, ragt das Witzgall Landbier als ganz besonders heraus: kräftiges blumig-heuartiges Hopfenaroma, feine Malzsüße im Hintergrund, kräftiger, gut ausbalancierter bitter-süßer Geschmack, sehr weiches Mundgefühl und eine langer samtiger aber hopfiger Abgang. Das Schlammersdorfer Bräuhaus Witzgall (Jahresausstoß 1000 Hektoliter) nutzt sehr weiches Wasser und den deutschen Aromahopfen Spalter Select für dieses über alle Maßen trinkbare Bier. Bei ratebeer ist es in der Kategorie Zwickel/Keller/Landbier weltweit die Nr. 1! Danke an Günther fürs Mitbringen.

Zywiec Porter, 9, 5 % Alc., 0, 5 l Fl.

Im Glas erwecken tiefschwarze Töne große Erwartungen an satte Malzaromen, die tatsächlich im Bouquet jedoch eher dezent sind. Im Mund überzeugt dieses wohl karbonisierte Getränk durch Noten dunkler Schokolade und kräftig herben Noten bis hin zur Bittermandel, ohne dabei penetrant alkoholisch zu sein (und das bei diesem Wert! ). Lediglich der Abgang ist leicht alkoholisch, der jedoch von einer wohl ausgewählten Hopfenbittere begleitet wird, die noch lange auf der Zunge zu spüren ist.