Unser erstes Mal

Kann sich eigentlich noch wer an die allererste Gärbar erinnern? Wir sind mit einem kleinen Flyer in Erscheinung getreten, auf dem wir verkündet hatten, Teil der Fermenting Revolution zu sein. Es war alles aufregend. Passt die Menge der Gläser, wie kommen die Biere an, wie werden die Gäste das Licht- und Musikkonzept annehmen? Martina hatte die Karte gesetzt, aber Drucker hatte gestreikt, deshalb gab es ein wenig Hektik bei der Eröffnung. Tom aus der Trinkhalle hat uns noch geholfen, die letzten Biere reinzuschleppen, und dann ging es los.

Die Crew hatte richtig Bock, war aufgeregt und eigentlich gab es nur ein Thema. Ein Blog wurde eingerichtet und mit Text gefüllt, Fotos geschossen, Videos geteilt. Es war ein bisschen wie verliebt sein. In dieser Beziehungsphase gibt es ja auch eine gewisse Faszination, die eine Menge, sagen wir mal, Energie freisetzt.

Und heute? Heute ist vieles Routine und Routine motiviert nicht so richtig. Sie werden oft von außen auferlegt erlebt und die eher intrinsischen Typen unter uns neigen dann zum Rückzug. Craft Beer gibt es mittlerweile überall, sodass manche, wir erleben das so, von Bieren, die wir schätzen, enttäuscht sind. Das ist immer ein bisschen komisch, da sich hier das Konkurrenzprinzip unter den Geschmack mischt. Statt schneller, höher, weiter, eben bitterer, saurer, seltener.

Was dabei vielleicht allzu schnell in Vergessenheit gerät: Die Gärbar ist mittlerweile zu einem sozialen Ort geworden, der vielen richtig ans Herz gewachsen ist, auch uns selbst. Hier treffen sich einmal im Monat Leute wieder, die sich gerne sehen, aber sich in der Routine des Alltags nicht treffen würden. Quasi eine Gegenroutine. Es ist immer eine kleine Auszeit, ein großes Wiedersehen, ein kurzweiliger Abend, bei dem Kinder spielen, Biernerds mit Punkerinnen Bier trinken, Leute zusammen kommen, einander umarmen und miteinander klönen!

Prost!

Eure GärBar-Crew

Hallo Bernd Stegemann und Sarah Wagenknecht,

es gibt Momente, da läuft es einem kalt den Rücken runter. So auch bei der Lektüre eures Textes (oder müsste es Pamphlet heißen?), in dem ihr eure Position für eine Sammlungsbewegung offenbart. Der Text ist rhetorisch gut gemacht. Das war auch nicht anders zu erwarten. Bekanntermaßen geht es in der Rhetorik ja nicht um Wahrheit oder dergleichen, sondern lediglich darum, die eigene Position mit allen Mitteln der Kunst überzeugend darzustellen. Ihr seht also in linker Moral, die sich in der Position nach offenen Grenzen manifestiert, eine Verschwisterung mit dem Neoliberalismus. Begründet wird das Ganze quasi materialistisch: Dieses ganze Gerede von offenen Grenze, ließe sich eben nur formulieren, wenn man wie die Made im neoliberalen Speck säße. Offenkundig wisst ihr, dass die von Euch vorgeschlagene Anbiederung an den rassistischen Mob Bullshit ist. Deshalb bleibt der einzig anwendbare Kniff, die Sprecher*innenposition selbst zu diskreditieren, indem sie als bürgerlich diskreditiert wird.

Dass jeglicher Nationalismus auf falschen Prämissen beruht, darauf geht ihr mit keinem Deut ein. Beruhen nationalstaatliche Grenzen etwa nicht auf Konstruktionen, die somit auch verändert bzw. abgeschafft werden können? Woher nehmen sich also sog. Europäer das Recht, Menschen aus anderen Erdteilen davon abzuhalten, diesen Kontinent zu betreten? Zumal das bedeutet, dass nahezu täglich Menschen im Mittelmeer ertrinken, sodass die Situation ziemlich beschämend ist? Mit Verlaub: Hier ist die katholische Kirche weiter als ihr und die CSU. Sie kann immerhin einen menschlichen Universalismus denken, weil sie Erde und Mensch als Produkt eines Schöpfers denkt und damit liegt sie der Wahrheit näher als jene, die in territorialen Grenzen ein quasi natürliches Produkt sehen. Dabei beruht diese Grenze lediglich auf Gewalt.

Was würdet ihr eigentlich zwei Kindern raten, die sich um einen Kuchen streiten? Wäre das Recht des Stärkeren eine moralisch gute Position? Oder würdet ihr vielleicht dazu raten, den Kuchen einfach gerecht aufzuteilen? Es ist nun mal so: Im Kapitalismus konkurrieren Menschen unabhängig von ihrem Willen miteinander. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Das Konkurrenzspielchen aktiv mitspielen oder den Geist der Konkurrenz zu überwinden, um kooperative Beziehungen aufbauen. Ratet mal wofür wir sind?
Prost

Deine Gärbar-Crew

„Es könnte warm sein, ist es aber nicht.“ (Erich Fried)

In diesen Tagen macht sich das echte Erleben von Ohnmacht breit. Wenn rechte Strömungen Verbrechen für ihre unsolidarischen Positionen instrumentalisieren, ist das nicht nur zum Kotzen, sondern auch noch zum Kotzen erfolgreich, wie sich derzeit in Chemnitz zeigt. Dabei ist unklar, was schlimmer wiegt. Dass die Nazis und Konsorten bis ins sog. bürgerliche Lager Rückendeckung bekommen bzw. Verständnis ernten. Oder, dass es keine gute Gegenstrategie gibt, wie man reaktionäres Gedankengut aus den Köpfen bekommt. Klar, Widerstand kann simuliert werden; je nach Orientierung mehr militant oder auch christlich mit Lichterketten. Aber strukturell wird sich weder durch das eine, noch durch das andere etwas ändern, sodass wir es eher mit einer Simulation von Subjektfähigkeit zu tun haben. Mit anderen Worten: Irgendetwas zu tun, kann eben auch die Einsicht verschleiern, dass es bislang keinen guten Hebel gegen menschenverachtende Ideologie gibt.

Warum ist das so? Manche nehmen ja an, dass der Kapitalismus gewissermaßen automatisch Nazis produziert. Dann bestünde die Lösung darin, den Kapitalismus abzuschaffen, was natürlich schwierig ist, so lange es Nazis und andere Strömungen gibt, die den Kapitalismus nicht abschaffen wollen oder gar verteidigen, zumal diese – so die Annahme – ja vom Kapitalismus produziert werden. Es ist natürlich Quatsch, dass der Kapitalismus Nazis produziert. Im Kapitalismus werden Waren produziert und das unter Verhältnissen, die sich als Konkurrenzverhältnisse beschreiben lassen. Zentrum gegen Peripherie, Arbeiterinnen unter einander, Klasse gegen Klasse und so weiter.

Nazis zeichnen sich nun dadurch aus, dass sie diese Konkurrenzverhältnisse in einer Art und Weise politisieren, die dem Nazi einen völkischen und damit quasi natürlichen Konkurrenzvorteil verspricht: Die Konkurrenz selbst wird dadurch allerdings nicht aufgehoben, sondern man gibt sich der Illusion hin, dass die völkische Welt eine heilere Welt wäre. Was die Dummbratzen nicht raffen: Gewonnen wird dadurch gar nichts, verloren wird jedoch eine Menge Menschlichkeit. Das ist wahrlich eine Tragödie mörderischen Ausmaßes.

Prost

Deine Gärbar-Crew

Früher war mehr Anarchie

Eigentlich sollte mensch kulturpessimistischen Impulsen grundsätzlich widerstehen, weil sie geradewegs in die Regression führen. Dennoch: Die alten Anarchos hatten es einfacher als heute. Als Michael Bakunin auf den Barrikaden Europas seinen Revolver schwang, war die Sache jedenfalls klar, weil die Herrschaftsverhältnisse ebenso klar waren. Wenn Adel und Klerus einen Kopf kürzer waren, Polizei und Militär nichts mehr zu melden hatten und die Kapitalisten enteignet waren, war die Sache eigentlich geritzt: keine Herrscher, keine Herrschaft, also Anarchie. Utopie verwirklicht.

Definitiv auch ein Symbol von Herrschaft: Kreuz in der Landschaft, in der das Val Dieu gebraut wird

Nach aktuelleren Analysen von Macht und Herrschaft liegt die Angelegenheit bei weitem nicht so einfach. Herrschaft kennt weitaus mehr Praktiken als Überwachen und Strafen. Die personalisierte Form der Herrschaft ist zwar nicht aus der Welt, wird aber zunehmend weniger relevant. Herrschaft heute organisiert sich viel stärker über Ein- und Ausschlüsse (z. B. in Rahmen von Kommunikation), ist oft anonym (wie der Kapitalismus) oder gar inkorporiert (wie beim Geschmack). Oft ist es auch eine Frage der Perspektive, ob eine Operation als Herrschaftspraktik wahrgenommen wird oder nicht: Wo die einen Empowerment fordern, wollen sich andere nicht als Opfer konstruiert sehen. Aus der allgegenwärtigen Matrix der Herrschaft scheint es so recht kein Entkommen zu geben.

Für den Anarchismus folgt daraus es ein gewisses Dilemma, das dazu führt, dass manche Anarchist*innen nur noch von herrschaftsarmen Verhältnissen sprechen und nicht mehr von Herrschaftslosigkeit, weil das allzu naiv und unkritisch gegenüber den subtilen Herrschaftsweisen rüberkommt. Je subtiler die Herrschaftsweisen funktionieren, desto sensibler wird die Gesellschaft (allen voran die herrschaftskritischen ZeitgenossInnen) für Herrschaftspraktiken und desto mehr Herrschaftsweisen werden entdeckt, für die die Gesellschaft bislang blind gewesen ist. Wenn das zutrifft, hat das anarchistische Vorhaben, HERRschaftslosigkeit zu verwirklichen und Sisyphos eine Menge gemeinsam.

Prost
Deine Gärbar-Crew

Glück gehabt! Gott ist auch nur ein Spaghetti-Monster

Im Dezember letzten Jahres veranstalteten die organisierten AtheistInnen „Religionsfrei im Revier“ eine Veranstaltung im Bahnhof Langendreer. Es ging um die Frage, ob sich die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters in den letzten Jahren von einer Religionsparodie zu einer waschechten Religion entwickelt habe. Als Referentin sprach Daniela Wakonigg, Theologin und Pressereferentin der Giordano-Bruno-Stiftung, die neulich ein Buch zum Thema veröffentlicht hat.

Die Referentin ging ein paar Dinge durch, die eine waschechte Religion aufweisen sollte, und siehe da: Alles, was andere Religionen zu bieten haben, bietet die Kirche des fliegenden Spaghetti-Monsters ihren Pastafaris ebenfalls: Es gibt Feiertage (z. B. Ramendan), Priester, die die Nudelmesse abhalten, einen Propheten, eine Offenbarung, eine seltsame Gottheit in Form eines Spaghetti-Monsters (als ob ein untoter Sohn, der sein eigener Vater ist, nicht seltsam genug wäre) und mittlerweile gibt sogar theologische Strömungen und damit auch theologische Scherereien. Das Publikum war mehr als amüsiert.

Auch so kann eine wahre Gottheit aussehen

Natürlich war das Vorgehen ein tautologischer Taschentrick. Wenn eine Parodie eine Vorlage überzogen nachbaut, sollten sich auch in der Parodie alle Elemente des kopierten Originals finden. Dennoch: So wurde jeder und jedem im Raume klar, dass der liebe Gott auch nur eine Konstruktion ist und wie das Spaghettimonster völlig ungefährlich. Dem Spaghettimonster gelingt es, einen komplexen Sachverhalt (nämlich die Konstruktion von Religion, an der sich schon so manche Soziologie versucht hat) auf ein durchschaubares Maß runterzubrechen. Ironischerweise kennen wir diese Funktion auch aus Religionen, wenn etwa Wetterphänomene oder Epidemien usw. religiös gedeutet werden. Deshalb kann man zu diesem Gott samt seinen Fleischklöpsen nur gratulieren.

Prost

Deine Gärbar-Crew

Das große Gärbar-Archiv

Brauerei Schumacher 1838er, 5 % Alc., 0,25 l Glas

Das Schumacher 1838 ist einzigartig auf dem Bier-Markt. Es erinnert deutlich an ein amerikanisches IPA, mit 5 Vol.% ist es jedoch viel zu schlank für diese Kategorie. Eindeutig ein ordentliches Düsseldorfer Ale mit einer sehr floralen, würzigen Hopfennote in der Nase, ein wenig an Nelken und Honig erinnernd. Das Röstmalz, das dem Bier eine ansehnliche kastanienrote Farbe verleiht, bleibt im Hintergrund. Im Abgang ähnliche Noten wie im Bouquet mit leicht malzigen Noten.

2 Caps La Belle Dalle, 8 % Alc., 0,25 l Glas

Die Biere von 2 Caps stammen aus der schönen Region zwischen dem Cap Blanc Nez und dem Cap Gris Nez an der Steilküste unterhalb Calais. Nur dort bekommt man sie auch und selten genug das La Belle Dalle, ein ungefiltertes „Vintage Blond Ale“. Brauer Christopher Noyon hat es eigentlich als Begleiter für Käse oder als Digestif mit einem Käsemacher der Region geschaffen. Deswegen hat es einen kräftigen, angenehm runden Malzgeschmack, eröffnet mit leichten, honigsüßen Hopfennoten vor einem weichen, orangenen Körper bis hin zum kräuterigen Finish. Fein und intensiv zugleich.

2 Caps Blanche de Wissant, 4, 5 % Alc., 0,25 l Glas

Ein Wit-Bier aus einer der schönsten Regionen Nordfrankreichs, dem Landstrich zwischen Caps Griz Nez und Caps Blanc Nez, daher der Name der Brauerei 2 Caps. Eine Krone wie die schäumenden Wellen des Atlantiks, eine Farbe wie leuchtender Sand, ein süß-fruchtig-frischer Geschmack nach Limone, die dort demnächst auch wachsen könnte. Ein ideales Urlaubs-Erinnerungs-Weizen.

2 Caps D-Day Blonde, 6, 5 % Alc., 0,25 l Glas

Das Bier der Befreier! Für alle Antifas ein Muss! Es ist ein solides französisches Blonde. Der Schaum steht wie eine Eins, fast so stabil wie Eischnee und ebenso feinporig. In der Nase leichte Noten von Getreide. Nach einer Weile kommen Honignoten dazu. Der fruchtige Mittelteil ist stark von Kohlensäure geprägt. Der Nachgang eher unaufdringlich. Insgesamt ein süffiger Trunk, wie geschaffen zur immerwährenden Feier der Befreiung.

2 Caps La Guénel, 8 % Alc., 0,25 l Glas

Das La Guénel ist das Bier der fröhlichen Weihnacht (gai Noël). Wir haben es von Christophe Noyon aus dem Herzen der Französischen Region Nord-Pas-de-Calais direkt gekauft. Aus der französischen Bergbauregion, wo es immer regnet. Nun ist die Zeit gekommen, es aus den Keller zu holen. In der Tradition der französisch (und damit auch belgischen) Weihnachtsbiere hat Christophe einen dunklen Trunk gebraut, der mit einem äußerst stabilen Schaum brilliert. Der recht hohe Alkoholgehalt ist gut eingebunden und macht die besinnlichen Stunden noch besinnlicher. Gut gefällt das Portfolio der Aromen: feine Hefe und dunkle Beeren in der Nase, ein mittelschwerer malziger Körper zeichnen dieses süffige Getränk aus. Der Abgang ist fruchtig (Kirschen, Banane?) bis würzig (Zimt, Kradamon?). Joyeux Noël et bonne année!

Hebendanz Export-Hell, 5 % Alc., 0,5 l Fl.

Das Export von Hebendanz in Forchheim ist eine Institution: Es ist eines der hopfigsten untergärigen hellen Lager in Franken, mithin ein echtes Dortmunder. Wenig Hopfen in der Nase, astreine Drinkability, trotzdem bitter, leichter Körper, süffig und etwas endsüß, wie ein echtes Fränkisches sein muss. Sehr gut.

Liefmans Goudenband, 8 % Alc., 0,33 l Fl.

Ein Sour Red/Brown wie die Kenner*innen sagen, ein flämisches Rot- oder Braunbier, die Definitionen sind unterschiedlich wegen der Herstellungsweise (holz- oder stahlgelagert), der Geschmack aber ähnlich. Das hier ist jedenfalls ein typisches und leider eines der letzten, dafür aber auch eines der besten. Typisch ist die hohe Komplexität durch die feine Säure, die aus der offenen Fasslagerung stammt, die Biere haben wie die Lambiks etwas Weiniges. Mit einem feinen Kirscharoma, leichter Brombeere, süßer Kirsche im Geschack obwohl keine drin ist, Rosinen, Leder, Holz, mit leicht süßem Finish und ausgewogener Bittere. Immer ein Genuss.

Lindemans Gueuze Cuvée René, 5, 5 % Alc., 0,375 l Fl.

Es sollte keine Gärbar ohne schöne saure Biere vergehen. Dieses Exemplar aus dem Hause Lindemans kann sauer richtig gut: Eine traditionelle Gueuze abgefüllt in einer kleinen Champagner-Flasche. Das Etikett kunstvoll mit Ornamenten verziert schäumt es im Glas recht stark auf und bildet einen stabilen Schaum. Die Säure wird von komplex-fruchtigen Aromen begleitet: Traube, Apfel, Stachelbeere und Zitrone. Hinzu kommen die etwas bitteren Hefenoten. Eine gute Wahl in der Gärbar.

Lindemans Cassis Lambic, 3, 5 % Alc., 0,33 l Fl.

Das einzige Fruchtlambik mit Johannisbeeren braut Lindemans – und es ist ein echtes Fest. Zutaten sind fassgelagertes drei-, zwei- und einjähriges Lambik, das eine Zeitlang mit Johannisbeeren nachvergoren wurde. Ergebnis ist wie bei allen Lambiks ein hochkomplexes Gaumenerlebnis, diesmal eben mit den schönen feinen Cassisnoten, dazu das Holz aus dem Fass, die Säure von den Brettanomyces, die tiefe Frucht – einfach genial.

Propeller Nachtflug Imperial Stout, 9, 1 % Alc., 0,33 l Fl.

Schwarz wie ein Absturz in der Nacht, dicht, ölig, breit, mit einer Nase voller Waldbeeren und einem fruchtigen Etwas wie Saphirenem Hopfen, reichem, auch röstigem Körper, leichte Bitterschokolade, Trockenfrüchte, Kaffee und etwas Vanille. Trocken und vollkommen voll.

Brauerei Riegele Speziator, 7, 5 % Alc., 0,5 l Fl.

Alle Liebhaberinnen und Liebhaber süffiger Biere aus Franken aufgepasst: Das Speziator ist eines der feinsten dunklen Doppelböcke, die gebraut werden. Riegele ist ja das Brauhaus mit Tradition und Zukunft, wie es so schön craftbierisch heißt. Das Speziator stammt jedenfalls aus der Vergangenheit, ist aber brautechnisch aufgepeppt. Ein dunkler Doppelbock mit über 19 Plato Stammwürze, also heftig viel Malz und geraumer Hopfengabe. Das wird dann malzig, karamellig, trockenfruchtig sowohl im Aroma wie auf der Zunge, mit Kakao, Schokolade und einer schönen Nachtisch-Süße. Elegant und dennoch vollmundig. Das Mundgefühl unglaublich samtig. Sehr besinnlich.

Spezial Rauchbier Lager, 4, 9 % Alc., 0,5 l Fl.

Heute mal ein Rauchbier probieren? Beim Rauchbier wird das Malz unter Rauch gedarrt. Das führt dazu, dass die Raucharomen ins Bier übergehen. Wer noch nie ein Rauchbier getrunken hat, sollte sich vom ersten ungewohnten Eindruck nicht abschrecken lassen. Bald hat sich die Zunge daran gewöhnt, dass rauchig auch in einer flüssigen Form in die Kehle rinnen kann. Dann wird es richtig lecker. Das Spezial ist im Vergleich zum Schlenkerla zurückhaltend rauchig. Also die ideale Einstiegsdroge.

Brauprojekt 777 Triple 7 IPA, 7, 5 % Alc., 0, 25 l Glas

Alameda Yellow Wolf Imperial IPA, 8,2 % Alc., 0,33 l Dose, inkl. Pfand

Imperial Ales sind ja immer etwas bis sehr viel stärker als normale Ales, abgeschaut ist das Ganze von den Imperial Stouts. Was man also von einem IPA erwartet, die fruchtige Hopfennase, der bitter-süße Körper, der lange hopfenbittere Abgang, liegt hier nochmal potenziert vor, wie in dieser ausgezeichneten Vertreterin aus Oregon. Goldig, weißschaumig, Zitrusnoten mit festem, wohligbreitem Körper, süßem, nussartigem, langem Finish. Großartig.

Ale Mania (Fritz Ale) Imperial Red Ale, 9,2 %, 0,33 l Dose

In seiner neuen Brauerei in Bonn experimentiert Fritz Wülfing mit der Dose. In Zukunft heißt es bei ihm nicht mehr Flaschen- sondern Dosengärung. Sein dunkelrotes IRA kombiniert Simcoe, Summit, Mosaic und Columbus auf 67 IBU zu einem rundum gelungenen kräftigem aber süffigen Starkbier. Süß, fruchtig, Mango, Orange, staubtrocken für 9,2 %, wohlfallend malzgesättigt, unspürbar der Alkohol, Karamell klasse eingebunden, der Abgang noch Wochen später (retronasal) spürbar. Beinahe ähnlich seinem Extra Special Bitter, dem legendären Ruhmbereiter der Gärbar. Ein Extra-Special-Spitzenbier, eine Dosenhoffnung, aber sehr gefährlich, weil süchtigmachend.

Ardenne Spirit Old Ale, 9,5 % Alc., 0,33 l Fl.

Gebraut in der Brasserie de Bastogne in den Ardennen mit Pale Ale, Mélano, Cara und Ruby-Malzen ist das Ardenne Spirit Old Ale ein Barley Wine großer Güte, weil es auch noch mit mit dem immer ausverkauften Nelson Sauvin, Citra und Mosaic gehopft wird. In dunklem Orange zeigt es sich im Glas, in der Nase mit Früchten und Röstmalzen, am Gaumen mit Röst- und Nussnoten, Karamell, Trockenfrüchten, Kräutern, beim Abgang bitter-fruchtig. Interessant besonders das Hopfenprofil und damit ist das Ganze: Sehr fein bis superb – aber leider auch teuer.

Brasserie de Bastogne Ardenne Stout, 8 % Alc., 0,33 l Fl.

Bastogne ist ein kleines Städtchen mitten in den Ardennen, berühmt-berüchtigt für die Ardennenoffensive der deutschen Wehrmacht im Winter 44/45, bei der 76890 amerikanische Soldaten getötet, verwundet oder vermisst wurden. Mit dem Stout ist der örtlichen Brauerei ein köstliches Imperial (Russian) Stout gelungen, das in Eichenfässern mit gerösteten Holzchips verfeinert wird und das auf Mosaic, Belgian Golding und Hallertauer Hopfen setzt und damit auf 60 IBU kommt. Die Farbe dunkelbraun bis luzentschwarz, das Aroma kompletter Röstkaffee, auf dem Gaumen bitterröstig-malzig plus leicht-lakritzig plus schokoladig-eichenbitter, süß und gleichzeitig ein bisschen sauer, vielleicht sogar rauchig, bietet es alles, was ein komplexer Stoutgenuss bieten kann. Erstaunlich überbordend alles vergessen machend.

Caldera Ashland Amber Ale, 5, 6 % Alc., 0,33 l Dose, inkl. Pfand

Amber Ales variieren die American Pale Ales hin zu einem etwas dunkleren, kräftigeren Malzcharakter und sind häufig weniger aggressiv gehopft. Das Bouquet ist überaschend dicht. Das AA der Caldera Brewing Company in Oregon hat genügend Cascade- und Galena-Hopfen für eine süß-fruchtig-orangene Nase, einen gebitterten mittelschlanken Körper mit leichtem Orangenschalen-Geschmack und eine retronasale Hopfigkeit am süßen Ende. Schön fruchtig.

Aspall Imperial Vintage Suffolk Cyder, 8, 2 % Alc., 0, 5 l Fl.

Die Flasche erinnert an die Spitzbögen gothischer Kathedralen. Jedes Jahr produziert Aspall einen special vintage. Wir bieten den 286. Jahrgang an, der eine schöne goldene Farbe aufweist. In der Nase eher Sekt- als Apfelnoten, frische Kohlensäure inklusive, wobei der Cider eher dezent karbonisiert ist. Der Schluck erst leicht süßlich, dann weinig, anschließend leicht alkoholisch. Insgesamt ein weiches und rundes Mundgefühl. Der Abgang ist weniger süß, dafür von leichter Säure geprägt. Richtig starker Cider.

Aspall Suffolk Organic Cyder, 7 % Alc., 0, 5 l Fl.

Die Flasche erinnert an die Spitzbögen gothischer Kathedralen. Der Inhalt ist ein etwas stärker Cyder aus ökologischer Landwirtschaft. Feine goldene Farbe, schöner fruchtiger Eindruck, bei dem die Äpfel eindeutig zu erkennen sind. Nach hinten wird dieser Cyder trockener und wechselt von fruchtig zu leicht bitter. So muss ein Cyder schmecken.

Atlantic Ale, 5,1 % Alc., 0,5 l Fl.

Unter dem Label Störtebeker braut die Stralsunder Brauerei mehrere Biere. Ein richtig gutes ist dabei: das Atlantic Ale. In unseren Augen fast ein IPA. Die Trübung ist auf den Weizenanteil zurückzuführen und zeigt einen leichten Grünstich – eine Augenweide. Das Bouquet: ein Tango-Tanz der Rezeptoren, das sich auch nach dem ersten Schluck nicht verliert, wenn die Aromen die Mundhöhle ausfüllen. Im Körper ist das AA eher schlank und mit 5,1 Vol. % ganz und gar alltagstauglich.

Schneider Weiße Aventinus, 8,2 % Alc., 0,5 l Fl.

Am dunklen Doppelbock aus dem Hause Schneider Weisse kann gut erklärt werden, was sog. Ester können: Zum Beispiel krass nach Banane duften, obwohl im Bier keine Banane verbraut wurde. Die Amis, die das Bewertungsportal RateBeer.com dominieren, lieben diesen Bock. Er steht auf Platz zwei in der Kategorie Weizen-Bock. Offengestanden können wir dieses überschwengliche Urteil nicht recht nachvollziehen. Taucht aber selbst ein in die Welt der Aromen der dunklen Früchte und Gewürze.

Base Camp Ultra Gnar Gnar IPA, 6, 7 % Alc., 0,33 l Dose, inkl. Pfand

Dass Dosen wirklich schick gestaltet werden können, beweist das Desgin dieses IPAs. Aber ein wenig nerdig ist das schon: Symbolik und die markigen Sprüche spielen auf Bushcraftaktivitäten an. Dahinter steht modernes Pfadfindertum, also im wesentlichen Feuer machen ohne Feuerzeug, Budenbauen und so. Der Inhalt formt einen schönen, stabilen Schaum, die Farbe ist kupfer. Das Bouquet weißt neben dem Zitrus-Grapefruitton eine deutliche Würze auf, die in einem leicht alkoholischen Lakriztstich mündet. Der erste Schluck überrascht durch eine massive Bitterkeit, die nicht ausbalanciert wirkt. Dieses Bier ist definitiv nichts für sensible Hyperschmecker. Auch der Nachgang erinnert an die Bitterkeit des milchgen Safts des Löwenzahns. Insgesamt ein richtig bitteres IPA.

St. Bernardus Abt 12, 10 % Alc., 0,33 l Fl.

Die Geschichte der Brauerei St. Bernardus hängt eng mit der Geschichte der Sankt Sixtus Abtei in Westvleteren zusammen. Richtig gelesen: Das ist die Trappistenbrauerei, bei der man vorher einen Termin machen muss, um Bier kaufen zu dürfen; höchstens zwei Kisten pro Kopf erhält und ein Gelübde ablegen muss, dieses Bier nicht weiter zu verkaufen. Die Brauerei von St. Bernardus hat eben jenes Bier über eine Lizenz bis in die 90er Jahre für die Trappisten gebraut. Deshalb halten sich hartnäckig Gerüchte, nach denen in den Flaschen von Bernardus rezeptgleiche Biere wie aus Westvleteren liegen. Es gibt wohl Unterschiede, aber die gibt es ja bei handwerklich gebrauten Bieren teilweise von Sud zu Sud. In jedem Falle kann das St. Bernardus Abt. 12 es mit jedem Trappisten-Bier locker aufnehmen. Dieses recht stark karbonisierte Bier erinnert in der Farbe an dunkle Schokolade. Der Schaum ist heller als eine Crema. In der Nase lassen sich Aromen von Karamell, Malz, Birne und Banane entdecken. Die Geschmacksbombe platzt im Mund: leichte Bitternoten werden lanciert von feiner Würze und einem genialen Mundgefühl. Im Abgang machen sich zudem Alkoholnoten bemerkbar, die diesem Bier eine wohlige Wärme verleihen. Ein richtig gutes Winterbier.

St. Austell Big Job, 7, 2 % Alc., 0, 5 Fl.

Das Big Job ist die große Schwester des Proper Jobs, das wir als die Entdeckung auf der britischen Insel gefeiert haben. Ironischerweise musste es einen unserer Scouts in den Trink Gut in Langendreer verschlagen, um dieses feine Getränk aufzuspüren. So ironisch läuft es manchmal. Als Imperial IPA bringt es mit nahe sieben deutliche Volumenprozente auf die Waage. Die verbrauten Hopfensorten Nugget, Centennial, Citra, Cascade versprechen viele hopfige Zitrus Aromen. Der Körper ist nicht zu schlank, nicht zu fett. Ein geiles Bier von unserer Lieblingsinsel.

NovaBirra Big Mama Stout, 8 % Alc., 0, 33 l Fl.

Mit Big Mama ist ein wirklich gutes Stout gelungen, das bis zum letzten Schluck und darüber hinaus den Gaumen schmeichelt. Es schäumt gut und stabil auf. Der bräunliche Schaum ist äußerst stabil. Dunkle Früchte eröffnen das Bouquet, hinzu treten leicht alkoholische Noten, Hefe und wenige Röstanteile. Dieses Bier ist geschmacklich wie ein Drama aufgebaut: Die Exposition ist unerwartet süß, die Peripetie geprägt vom satten Körper und statt einer Katastrophe gibt es eine bittere Erlösung, die noch lange nachhallt. Ein einzigstartiges [sic!] Stout.

Nova Birra Big Nose Triple, 9 % Alc., 0,33 l Fl.

Das Big Nose ist ein Triple aus Pilsner, Pale Ale und Münchener Malz, gehopft mit Nugget und Willamette, trockengestopft mit dem elsässischen Triskel, der selten verwendet wird. Wie es sich für ein Tripel gehört, bringt es ordentlich Prozente auf die Waage, die bei neun ausschlägt. Gleichzeitig hat es 45 Bittereinheiten und könnte eines der kräftigsten und aromatischsten Tripel Belgiens sein, schließlich stammt es vom italienischen Brauer Emanuele Corazzini, der es bei De Ranke im Kessel siedet. Schön orangegolden, einem Aroma von Mango, Kräutern und Erdbeeren, mit wachsweichem Körper verklingt es am Gaumen mit süßer Mango, Pfeffer, Hopfen und Hefe. Bittersüß lecker.

Hop’s Brewing Black Magic, 8,5 % Alc., 0,33 l Fl.

Black Magic nennt Hop’s Brewing, die bei Vormann in Hagen brauen, ihr Imperial Stout, das es auf bis zu 90 Bittergrade und 8,5 Prozent bringt, aber auch in schwächerer Form vorkommt. Das pechschwarze mit viel Röstmalz gebraute Stout ist deswegen trotzdem nicht so aufdringlich in der Nase, kommt aber mit schönen Trockenfrüchtenoten und Schokolade, die es auch im weichen, aber sehr trockenen Körper hält, den es dennoch etwas süß, fruchtig und wieder röstmalzig ausklingen lässt. Sehr gelungenes, kräftiges Stout.

Black Sheep Ale, 4, 4 % Alc., 0,3 l Fl.

Ein Bitter ist wie fast alle englischen Biere ein Vertreter der Pale Ales. Das Bitter erreicht wie der Name schon sagt ein komplexeres Bitteraroma durch stärkeren Hopfeneinsatz. Oft gilt das Bitter wegen des geringeren Alkohol in England als alte Leute Bier. Das Black Sheep erhielt bei einem Gärbar-Treffen die besten Noten. Komplexes Bouquet (Vanille, Würze des Hopfens, Caranoten) und ein fein trockender Körper begeistern. Wir sind auf den direkten Vergleich mit den Düsseldorfer Bieren gespannt.

Blanche de Namur, 4, 5 % Alc., 0,25 l Glas

Das Blanche de Namur ist ein echtes Blanche (Wit) und hochdekoriert. Lustigerweise ist Blanche de Namur ein Homonym: Dieses Bier ist nämlich nach der Königen von Schweden und Norwegen Blanche de Namur benannt, die im Jahre 1335 den Thron bestieg. Gut gefällt auch der Paternalismus auf der Flaschenrückseite: Geduldig wird erklärt, wie man ein Blanche am besten einschenkt. Geschmacklich haben wir es mit einem sehr schönen und süffigen Bier zu tun, das gut in laue Sommerabende passt. Im Glas glänzt ein leuchtendes Gelb, das leicht eingetrübt ist. Obwohl es ohne Koriander und Orangenschalen gebraut wird, kommt es sehr fruchtig rüber. Feine Bananenaromen mit blumigen Hefetönen verleihen diesen Bier diesen typischen Wit-Geschmack.

De Molen Bommen & Granaten, 15,2 % Alc., 0, 33 l Fl.

Ein Bier kaufen, drei trinken: Dieses Bier ist höchstwahrscheinlich das höchstprozentige Bier, das je über die Theke im SZ gegeben wurde. Beim Bommen & Granaten aus der niederländischen Brauerei de Molen handelt es sich um ein sog. Barley Wine. Gibt es nur in der Gärbar. Der weinähnliche Alkoholgehalt erklärt den Namen. Im Glas bildet sich ein schöner, stabiler Schaum. Ausgesprochen frisch-fruchtige Noten strömen in die Nase: Der Alkohol versteckt sich hinter klaren Orangennoten und Obertönen von Melone. Der Mittelteil ist angenehm süßlich. Aber lass dich nicht täuschen: Eines genügt!

Framboise Boon, 5 % Alc., 0,375 l Fl.

Die Himbeer-Geuze von Boon ist besonders intensiv: 300 g Himbeeren pro Liter und ca. 5 % Wildkirschen machen das Framboise aus spontan vergorenem Lambik zur spritzig-erfrischenden Verbindung zwischen Wein und Bier, Säure und Bittere, Frucht und Süße. Schmeckt immer.

Boon Oude Geuze, 7 % Alc., 0,375Fl.

Frank Boon braut im belgischen Lembeek, dem Ort, der diesem weinartigen uralten Bierstil seinen Namen gab. Seine Oude Geuze ist eine Mischung von ein, zwei und drei Jahre in Holzfässern gelagertem Lambik, nachvergoren in der Flasche. Zitrus für die Nase, ein mild-saurer Körper, knochen-trocken mit komplexen Aromen zwischen Holz, Gold und Brettanom yces. Mehrfacher World Beer-Champion: 2008 Gold, 2010 Silber, 2012 Gold.

Brand IPA, 6,5 % Alc., 0,3 l Fl.

Die Limburger Brauerei Brand wurde 1989 von Heineken übernommen und hat mehrere Biersorten im Angebot. Das IPA bekommt man in den Niederlanden in jedem Supermarkt. Das heißt aber noch nichts Schlechtes. Bereits das Design der Banderole überzeugt mit gelungener Typographie auf kleinstem Raum. Wer es nicht ganz so bitter mag, aber auf eine feine Citrus-Pampelmuse-Nase nicht verzichten möchte, ist beim Brand-IPA genau richtig. Der Körper ist eher süß als trocken und bringt einen vollmundigen Eindruck ins Glas. Abgerundet wird dieses Bier durch seine visuellen Reize: Ein stabiler Schaum thront auf einem leicht orangenfarbenden Bier. Ein schönes Jeden-Tag-IPA.

Breugem Saense Stout, 8 % Alc., 0, 33 l Fl.

Das Stout der niederländischen Brauerei Breugem wird mit Pale-Ale- und Röstmalz, Haferflocken, Northern-Brewer- und Fuggles-Hopfen gebraut und mit der Nottingham-Hefe vergoren. Es entsteht ein eher englisches, warm-weich-rundliches Stout, mit unaufdringlichen Kaffee- und Schokolade-Aromen, einer Spur von Rauch und Vanille, vollendet mit würziger Hopfennote und schokoladigem Abgang.

Brewbaker Berliner Weisse, 2, 5 % Alc., 0, 33 l Fl.

Beinahe wäre die „echte Berliner Weisse“ ausgestorben. Und daran sind nicht die Spree-Dampfer Touristen schuld, die die „Weiße“ gerne mit einem Schuss Waldmeister- oder Himbeersirup verunreinigen, um die Mischung dann mittels Strohhalm anzusaugen. Nein, Anfang 2000 übernahm Kindl (Radeberger) Schultheiß (Brau und Brunnen) und stellte aus wirtschaftlichen Gründen das Rezept um. Der „Weißen“ fehlten fortan die Brettanomyces (kurz Brett), sowie die gemeinsame Vergärung von Bierhefen mit Milchsäurevergärung und so wurde die Weisse 2014 zum bedrohten kulinarischen Welterbe. Dank einiger Craft-Brauer bleibt uns Bierstil zum Glück erhalten. Brewbaker nutzt seine hauseigene Mischung aus einer amerikanischen Alehefe, Laktobazillus und Brettanomyces. Das Ergebnis ist ein herrlich säuerliches Bier, eine „echte Berliner Weiße“, probiert es aus. (Wir haben keinen Sirup und keine Strohhalme!)

BrewDog 5 A.M. Saint, 5 % Alc., 0,33 l Fl.

Wie kriegt mensch eigentlich eine Subkultur tot? Indem sie zum Allgemeingut wird. Das ist tendenziell nichts Schlechtes, geht aber meistens mit kommerziellen Erfolg einher, was für sich genommen ok ist, aber eben der sichere Tod der Subkultur darstellt. So gesehen sind die BrewDogs die Totengräber der Punkkultur. Das 5 A.M. wird hochgelobt. Mit 35 IBU deutlich stärker gehopft als klassische Ales. Eher schlank im Körper. Gutes Bier.

Grain d’Orge Brice, 7, 5 % Alc., 0,33 l Fl.

Die Brauerei Grain d’Orge liegt etwas nördlich von Aubel. Benoît Johnen braut dort seit Ende der neunziger Jahre Bier; auch kleinere Aufträge für die umliegenden Kneipen. So kommt die Region auf eine enorme Biervielfalt. Das Brice ist das Blonde Stammbier des Braupubs Grain d‘Orge. Vor Ort nennen sie le Vert – das Grüne. Und tatsächlich schimmert dieses Bier grünlich, wenn man es gegen das Licht hält. In der Nase süßlich-fruchtige Noten, aber auch Kräuter wie Kardamom. In jedem Falle eine belgische Hefe, die diesem Bier einen eigenen Charakter gibt. Insgesamt ein recht süffiges Bier mit einem leicht bitteren Abgang.

Camba Bavaria Black Shark Imperial Black IPA, 8,5 % Alc., 0,33 l Fl.

Ebenfalls im Landkreis Traunstein ist wie die Schönramer auch die Brauerei Camba Bavaria zuhause, in Truchtlaching. Im Gegensatz zu Schönram ist Camba extrem jung: Sie gibt es erst seit 2008. Dafür ist die aus einem Brautechnikum des Brauanlagenherstellers Braukon entstandene Brauerei extrem experimentierfreudig und lässt alle 50 Biersorten noch in Cognac-Fässern altern. Das behördliche Verbot des Milk-Stout brachte Camba in die Schlagzeilen. Ihr Black Shark Imperial Black IPA kommt mit 20 Prozent Stammwürze, 120 Bittereinheiten und Columbus, Chinook, Simcoe, Centennial und Crystal-Hofpen, riecht nach Stachelbeere und Pfirsich, ist von cremiger Konsistenz und schmeckt nach Röstkaffee, Bitterschokolade und etwas gewürzkuchenartig. Die heftige Bittere wird korrigiert von einer lakritzigen Süße – etwas für Extremisten.

Camba Bavaria Ei Pi Ai, 8 % Alc., 0,33 l Fl.

Camba (lat. für Braukessel) Bavaria nennt sich diese Craft Beer Brauerei aus Bayern. Ihr Portfolio ist erstaunlich breit aufgestellt. Mehr als eine IPA-Variante ist dabei. Das vorliegende Ei Pi Ai ist hochdekoriert. Verbraut sind fünf Hopfensorten: Amarillo, Centennial, Cascade, Chinook und Citra. Allesamt Hopfensorten, die richtig eingesetzt höchsten Genuss versprechen. Das Bouquet weist die typischen Zitrusaromen auf, die uns so gut gefallen. Der Augenschein erinnert an dunklen Honig, der Schaum klebt am Glas und schafft kleine, verspielte Strukturen. Auf der Zunge ist es erkennbar Bitter, wie es sich für ein IPA gehört. Der Körper ist fein ausgebaut und die Kohlensäure gut eingebunden. Im Abgang leicht trocken. Ein Genuss für alle, die IPA mögen.

Chimay Bleu, Abbaye de Chimay, 9 % Alc., 0,33 l Fl.

Das Chimay verhält sich ein wenig so wie Die Ärzte zum Punk: Für viele ein Türöffner, aber kommerziell zu erfolgreich, um Distinktionsgewinn aus Attributen wie Insider oder Underground ziehen zu können, und deshalb irgendwie uncool. Wir sehen das anders. Das Chimay bleu ist ein Brune, wie es im Buche steht. Mit 9 Vol.% überaus stark geraten ist es wie gemacht für kalte Abende. Besonders hübsch geraten die kleinen Schauminseln, die sich an der Oberfläche des kastanienfarbenden Biers bilden. Das Bouquet weist diesen für Abtei-Biere typischen Hefe-Ton auf, der schön kombiniert ist mit einen Hauch von Rosinen oder getrockneten Pflaumen. Der Körper ist malzig. Im Mittelteil deutliche Alkoholnoten, die diesem Bier gut stehen. Im Abgang eine leichte Restsüße gepaart mit wenig Bitternoten. Chimay rockt.

Chouffe Houblon Dobbelen IPA Tripel, 9 % Alc., 0, 33 l Fl.

Was kommt bei einer Hochzeit zwischen einem belgischen Trippel und einem India Pale Ale heraus? Eines der besten Biere, die man trinken kann. Der Schöne stabile Schaum tront auf einem hellen Bier, das je nach Lichteinfall an das Gelb von Zitronen erinnert. Das Bouquet ist ausgesprochen floral bis kräuterig. Der Körper ist prächtig ausgebaut und mit ordentlich Hopfen ausbalanciert. Im Mund eröffnet sich eine Aromenwiese aus Zitrus und orientalischen Gewürzen wie Koriander. Der Abgang ist recht bitter. So mögen wir es.

Chouffe Houblon Dobbelen IPA Tripel, 9 % Alc., 0, 33 l Fl.

Was kommt bei einer Hochzeit zwischen einem belgischen Trippel und einem India Pale Ale heraus? Eines der besten Biere, die man trinken kann. Der Schöne stabile Schaum tront auf einem hellen Bier, das je nach Lichteinfall an das Gelb von Zitronen erinnert. Das Bouquet ist ausgesprochen floral bis kräuterig. Der Körper ist prächtig ausgebaut und mit ordentlich Hopfen ausbalanciert. Im Mund eröffnet sich eine Aromenwiese aus Zitrus und orientalischen Gewürzen wie Koriander. Der Abgang ist recht bitter. So mögen wir es.

Christoffel Weissen IPA, 6, 5 % Alc., 0,33 l Fl.

Wenn es mehr von solchen Bieren gäbe, wäre die Welt ein wenig besser: Der Weizen sorgt für einen feinen, stabilen Schaum. Die neuen Hopfen-Sorten gestalten eine frische Nase bei bekömmlichen Bittereinheiten. Grapefruit, Mandarine und nochmal Grapefruit und kräuternoten bestimmen das Bouqet. Der Körper ist mittelschlank und die Kohlensäure gut eingebunden. Prächtig.

Clausthaler Extra Herb, > 0, 5 % Alc., 0,5 l Fl

Clausthaler ist für alkoholfreies Bier das, was UHU für Klebstoff und Tempo für Taschentücher ist: ein Deonym. Deshalb mag es manche verwundern, wieso es ausgerechnet bei der Gärbar auf der Karte steht. Die Antwort lautet: Weil es ein richtig gutes Bier ist und gerade wenn die gesellschaftliche Urteilskraft zum Nein neigt, wir zum Ja neigen. Also, das Clausthaler ist eine echte Hopfenbombe. Bitter, fruchig, Zitronenschale, eventuell Spalt-Hopfen, alles in allem eine tolle Komposition. Auch der Körper, der erst mal ohne Alkohol so gebraut werden will. Ein schönes Bier für jede Gelegenheit.

Fantôme Coffee Ruby, 8 % Alc., 0, 25 Glas

Corsendonk Pater, 7, 5 % Alc., 0,5 l Fl.

Die belgische Brauerei Corsendonk hat ihren Namen von einem benachbarten alten Augustinerkloster bei Oud-Turnhout, braut aber nicht mehr selbst, sondern in der Brasserie Du Bocq. Das Pater Noster, ein dunkelrotbraunes von Jef Keersmaekers kreiertes Abtei-Dubbel, wird seit 1982 bei Du Bocq gebraut – aus Caramalz, Pilsener und Münchener Malz, mit Saazer, Kent und Hallertauer Hopfen. Mit einer Nachgärung in der Flasche schaffen es unter beigem Schaum dunkle Früchte, Kräuter und Karamell in die Nase, um auf der Zunge leicht süß als eben solche mit Rotwein, Schokolade und belgisch-hefiger Note im weichen, öligen Körper schwach rezent wieder aufzutauchen und darüber trocken und leicht bitter abzugehen. Eines der geschmackvollsten Abtei-Dubbel überhaupt.

section*Chouffe Houblon Dobbelen IPA Tripel, 9 % Alc., 0, 33 l Fl.

Crew Republic Drunken Sailor IPA, 6,4 % Alc., 0,33 l Fl.

Von der Münchener Crew Republic hatten wir schon das 7:45 Escalation IPA mit 8,3 % Alc., hier schwören wir auf das Drunken Sailor IPA mit 6,4 %, das sie mit Pilsener, Münche